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Blombergerinnen mit WM-Erfahrung: Kühne und Hauf sammeln internationale Minuten

von | März 28, 2026 | Blomberg, Handball, HSG, Sport & Vereine

Vorbemerkung: Wenn zwei Damen aus den eigenen Reihen für die Deutsche Nationalmannschaft nominiert sind und bei einer WM mitspielen dürfen, dann darf Blomberg schon stolz sein. Wenn diese dann aber noch mit dem Vize-Weltmeistertitel heimkehren… Um die hervorragenden Leistungen von Nieke Kühne und Alexia Hauf zu würdigen, haben wir ein ausführliches Interview mit den beiden geführt. 

Mit der Frauen-Handball-Weltmeisterschaft 2025 erreichten gleich zwei Spielerinnen der HSG Blomberg-Lippe einen wichtigen Meilenstein ihrer Karriere: Nieke Kühne und Alexia Hauf standen im Kader der deutschen Nationalmannschaft und sammelten auf der größten internationalen Bühne wertvolle Spielpraxis. Beide Spielerinnen hatten sich ihren Platz im Aufgebot über konstante Leistungen im Bundesliga-Alltag erarbeitet. Kühne überzeugte in den Monaten vor dem Turnier vor allem durch ihre Stabilität und Spielintelligenz, während Hauf mit Dynamik, Tempo und Variabilität auf sich aufmerksam machte. Über Lehrgänge und Sichtungs-Maßnahmen des Deutschen Handballbundes empfahlen sich beide nachhaltig für höhere Aufgaben. Unsere Redaktion bat die beiden Vize-Weltmeisterinnen zum Interview und konnte zudem einen O-Ton von Bundestrainer Markus Gaugisch ergattern.

Geglückte Premiere für Nieke Kühne bei der WM „im eigenen Land“. Hier im Trikot der HSG Blomberg-Lippe jubelt Nieke Kühne nach einem Tor. Bild: Timon Peters

Sie spielen seit Jahren auf hohem Bundesliga-Niveau, u.a. bei der HSG Blomberg-Lippe. Wann hatten Sie erstmals das Gefühl: Ich kann den Sprung auf die ganz große internationale Bühne schaffen?

Kühne: Ich glaube, das ist noch gar nicht so lange her, vielleicht so zwei, drei Jahre. Gerade mit der HSG spielen wir jetzt erst das zweite Jahr wieder international – und da haben wir in den letzten Jahren echt viel geschafft und uns gut nach oben entwickelt. Persönlich bin ich erst seit einem knappen Jahr in der Nationalmannschaft, und so ganz lange ist das Gefühl also noch nicht da. Man hat natürlich immer gehofft, dass es irgendwann der Fall sein wird.

Hauf: Für mich fing das schon in meiner Zeit bei Buchholz Rosengarten an. Wir haben mit mit der Mannschaft den Aufstieg in die erste Liga perfekt gemacht und sind damals auch tatsächlich gegen Blomberg ins DHB Pokalfinale eingezogen. Und ja, da lief es für mich ziemlich gut und ich habe da zum ersten Mal auch so ein wenig die Aufmerksamkeit bekommen, wonach ich dann auch das erste Gespräch mit dem damaligen Bundestrainer hatte. Das war so der Anfang und für mich die Motivation da auf jeden Fall weiterzumachen.

Welche Station Ihrer bisherigen Laufbahn hat Sie sportlich am stärksten geprägt – und warum?

Kühne: Schwierig zu sagen, alle Stationen haben mich auf eine gewisse Weise geprägt. Auch in meinem Heimatverein bin ich bis heute verwurzelt, wohne ein, zwei Minuten davon entfernt, wenn ich in der Heimat bin, und bin auch heute noch gerne in der Halle. Meine Geschwister spielen da mittlerweile auch Handball, und es macht immer Spaß, dort zu sein und zu wissen, wo man herkommt. Aber auch die Zeit beim Northeimer HC – da habe ich meine Jugend verbracht – hat mich geprägt, und auch da habe ich noch Kontakte. Aber natürlich, jetzt im Seniorenbereich – beziehungsweise schon in der B- und A-Jugend – hatte Blomberg einen großen Anteil an der Entwicklung, die ich bisher genommen habe.

Hauf: Eigentlich hat jede Station meiner bisherigen Laufbahn mich geprägt, war neu neuer Schritt. Aus der Jugend in Buxtehude mit Kreuzbandriss damals nach Buchholz, wo ich sehr froh bin, dass Sie mich trotz des Kreuzbandriss aufgenommen und mir einen Vertrag gegeben haben. Dort haben wir, wie gesagt, den Sprung in die erste Liga geschafft. Und natürlich hier in Blomberg – für mich enorm wichtig. Hier habe ich meinen festen Platz, den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft und konnte hier viel mitnehmen und lernen. Sportlich gesehen für mich mein bisher größter Erfolg.

Inwiefern hat Sie der Vereinsalltag in Blomberg konkret auf die Anforderungen einer Weltmeisterschaft vorbereitet?

Kühne: Ich denke, vor allem durch die englischen Wochen. Der Rhythmus bei einer WM oder generell bei einem internationalen Turnier ist einfach sehr eng getaktet, teilweise alle zwei Tage, also noch häufiger, als ich es hier im Verein habe. Da ist es gut zu wissen, was auf einen zukommt, um der Belastung standhalten zu können.

Für mich ist es natürlich total gut, dass ich hier seit meiner Zeit in Blomberg bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr bin. Von daher konnte ich mich da im Alltag auf jeden Fall voll und ganz auf die Weltmeisterschaft vorbereiten, sei es Richtung Krafttraining, physiotherapeutische Unterstützung, aber auch natürlich Hallentraining, Mannschaftstraining und Regeneration, welche auch dazugehört. Ich konnte mich voll und ganz darauf konzentrieren und wurde auch bestens unterstützt.

Alexia Hauf, hier im Dress der HSG, überzeugte auch bei der WM. Bild: Timon Peters

Wie haben Sie von Ihrer Nominierung für die Weltmeisterschaft 2025 erfahren – und was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?

Kühne: Ich habe einen Anruf bekommen, da war ich gerade zu Hause, und habe mich natürlich sehr, sehr doll gefreut. Erst mal war ich ziemlich aufgeregt, also was er (Anm. d. Red.: Bundestrainer Markus Gaugisch) denn jetzt sagt. Zu dem Zeitpunkt war ja noch nicht klar, dass ich im Kader bin, und ich war natürlich einfach superfroh, als er mir dann gesagt hat, dass er mich gerne mit im Kader haben möchte und dass ich somit Teil der WM sein werde. Also ich war erst mal total überwältigt und habe mich dann gefreut, dass ich den Moment mit der Familie teilen durfte. Es gab dann ein gemeinsames Abendessen – das war auf jeden Fall sehr schön, dass da meine Familie mit dabei war. Natürlich ging mir da einiges durch den Kopf: Aufregung, irgendwie auch Vorfreude, aber auch ein bisschen Stolz, dass man das jetzt erreicht hat und Teil davon sein darf.

Hauf: Ich habe durch ein Telefonat mit Markus Gaugisch von meiner WM Nominierung erfahren – das war natürlich ein überwältigendes Gefühl. Natürlich hat man den Nominierungen mit Spannung entgegengefiebert. Als es dann klar war, also ein Teil des Teams zu sein, war das natürlich ein unfassbares Gefühl und pure Vorfreude auf das, was dann vor einem liegt.

Was war in der unmittelbaren WM-Vorbereitung die größte Umstellung im Vergleich zum Liga-Alltag?

Kühne: Ich glaube, einfach der Trainingsdruck. Man versucht, in der kurzen Zeit, die man hat, jede Trainingseinheit so gut es geht zu nutzen. Wir kommen alle aus unterschiedlichen Vereinen, aus unterschiedlichen Ländern, und da versucht man einfach, ganz viel Abstimmung zu schaffen und noch kleine Details zu bearbeiten, sich gut zu verstehen, um dann einfach super vorbereitet zu sein, wenn das Turnier losgeht.

Hauf: Die größte Umstellung waren tatsächlich die ersten zwei, drei Tage. Wir sind mit Blomberg am Wochenende in der European League unterwegs gewesen und waren ja auf Island, was natürlich schon etwas Besonderes war. Aber dann von dort aus direkt nach Deutschland zu fliegen und weiter in die Schweiz, um da die ersten Trainingseinheiten und auch das erste Testspiel zu absolvieren war mental und körperlich in diesem Moment nicht so leicht. Und dann natürlich aus dem Blomberger Trainingsalltag heraus zu kommen, um dann in den täglichen Nationalmannschaftsalltag, Trainingsalltag, Wettkampfalltag reinzukommen, war schon eine große Umstellung.

Gab es in der Vorbereitungsphase Zweifel oder Unsicherheiten – körperlich oder mental?

Kühne: Nee, glaube ich nicht. Ich denke, wir hatten eine gute Vorbereitung und hatten noch mal gute Tests. Ich glaube, in der Schweiz war das, und dann noch mal bei uns in Deutschland gegen die Schweiz. Also ja, wir haben uns gut vorbereitet, dazu gehörten auch ein paar Teambuildingmaßnahmen. Körperlich hat man sich einfach „ready“ gefühlt, und man hatte dann einfach Lust, diese WM zu spielen – gerade im eigenen Land. Natürlich hat man drüber gesprochen, ob man im eigenen Land mehr Druck hat oder nicht, aber das war irgendwie gar nicht so ein großes Thema. Es war eher die Lust, vor den Leuten zu spielen, und wir wollten einfach – auch mit der Kampagne, die wir beziehungsweise der DHB ins Leben gerufen hat – ein Zeichen setzen, Deutschland gut zu präsentieren und jeden Fan mitzunehmen.

Hauf: Zweifel oder Unsicherheiten würde ich jetzt nicht sagen, aber eben die beschriebene Umstellung. Die ersten Tage waren für mich auch deshalb schwierig, weil sich mein Körper durch eine kleine Erkältung bemerkbar gemacht hat. Von der European League bzw. dem Bundesliga-Alltag sofort die Weiterreise anzutreten ohne noch mal nach Hause zu kommen um kurz abzuschalten zu können war mental und körperlich etwas schwierig.

Wie haben Sie die ersten WM-Spiele erlebt – eher Euphorie oder zunächst Anspannung?

Kühne: Wie schon gesagt, war es eher Euphorie. Die Fans in den Hallen waren super, die Stimmung war wirklich überragend. Die Hallen waren immer voll, und sie haben uns nach vorne gepeitscht. Es war sehr cool, das alles so mitzuerleben und die Spiele regelrecht gemeinsam feiern zu dürfen. Es lief von Anfang an sehr gut, und man hatte von Spiel zu Spiel immer noch mehr Bock auf das nächste Spiel – da haben wir uns in einen kleinen Flow gespielt und waren am Ende froh, dass es so gut ausgegangen ist.

Hauf: Die ersten WM Spiele waren schon pure Euphorie. Wir haben als Mannschaft wirklich darauf hin gefiebert und hart trainiert, um dann endlich ins Turnier zu starten. Von daher ist natürlich, gerade weil es ein Heim-Turnier war, eine kleine Anspannung da. Ich finde das gehört zum Sport dazu und ist auch wichtig. Wichtig ist es das aber auch in eine Euphorie umzuwandeln, also zu nutzen. Wir wollten das dann auch auf der Platte zeigen und die Menschen begeistern und ich glaube das ist uns, vor allem in den ersten Spielen, gut gelungen.

Ein tolles Gefühl: Nieke Kühne im Trikot der Nationalmannschaft. Bild: Kenny Beele/DHB

Wie schwierig ist es, bei einem langen Turnier körperlich und mental konstant leistungsfähig zu bleiben? Wie gehen Sie persönlich mit Druck, Erwartungen und öffentlicher Aufmerksamkeit bei einer Weltmeisterschaft um?

Kühne: Für mich war es ja das erste Großturnier bei den Senioren. Ich hatte zwar Erfahrungen aus dem Bereich der Jugendnationalmannschaften, aber gerade die öffentliche Aufmerksamkeit, die Medien und dann auch noch eine Heim-WM – da bekommt man alles noch einmal mehr mit, das ist deutlich mehr. Es gehört aber dazu und macht auch Spaß. Alle wollen Details wissen und auch Insights aus dem Team haben. Natürlich hat man dadurch auch den einen oder anderen Termin mehr, aber nochmals: Es gehört dazu, und dafür sind wir im Profibereich. Natürlich schlaucht das irgendwann, weil man auch immer dieselben Leute sieht, denselben Alltag hat. Wir sind auf Doppelzimmern, ich war immer mit Lexi zusammen, und ich glaube, wir haben die Zeit gut überstanden. Dennoch waren wir dann auch froh, als wir wieder zu Hause waren. Es ist einfach wirklich eine lange Zeit, aber ich glaube, was uns stark gemacht hat, war der Teamzusammenhalt. Jeder ist für jeden eingestanden, und es hat eben auch Spaß gemacht, jeden Tag zusammen zu sein und auch neben dem Spielfeld Dinge zu machen.

Hauf: Bei so einem langen Turnier stehen natürlich viele Sachen im Vordergrund, dazu gehört auch die Regeneration um das Turnier körperlich durchzustehen. Wir hatten einen breiten Kader und konnten, vor allem in den ersten Spielen, viel wechseln konnten. Das hat körperliche Ressourcen geschont wodurch wir auch am Ende des Turniers noch gut drauf waren. Unsere Physiotherapeuten und Ärzte halten uns fit und machen wirklich einen enorm guten Job. Auch die Absprache bzw. Betreuung durch unseren Athletiktrainer hinsichtlich Krafttraining oder Belastungssteuerung im Handballtraining, selbiges gilt für den Mentaltrainer, war hervorragend. Beide waren immer für uns da wenn wir sie brauchten. Von daher ist das Team drumherum wirklich sehr groß und hilft uns enorm weiter, um das lange Turnier auch bestmöglich zu bestreiten und immer mit einem guten Gefühl zu bestreiten. Ich denke, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für uns natürlich etwas neu war, weil sie so groß gewesen ist wie zuvor noch nicht. Trotzdem war es aber auch das was wir erreichen wollten, die Menschen mitnehmen. Und dadurch, dass es auch so gut lief, wie wir uns das irgendwie erwünscht und erhofft haben. Druck war natürlich da und auch die Erwartungshaltung von Außenstehenden und den Medien. Aber wir haben als Mannschaft immer daran geglaubt, dass wir das was wir können auf die Platte bringen und weit kommen können. Ich glaube diese Überzeugung war auch enorm wichtig um die Leistung erbringen zu können, die wir letztendlich gebracht haben.

Welches Spiel des Turniers ist Ihnen emotional am stärksten in Erinnerung geblieben, unabhängig vom Ergebnis?

Kühne: Bei mir ist es das Halbfinale. Natürlich war das Viertelfinale in Dortmund auch überragend mit so vielen Zuschauern, ich glaube, ein neuer Zuschauerrekord. Ich habe noch nie eine so laute Halle erlebt, und in Deutschland ins Halbfinale einzuziehen, war schon sehr, sehr cool. Für mich dennoch das Halbfinale, weil man dann auch wusste: Wir haben eine Medaille sicher. Wir haben auch einfach gut gespielt, und ich habe noch immer ein paar Szenen aus dem Spiel vor Augen. Den Moment „Wir haben es geschafft und stehen im Finale“ werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen.

Hauf: Das war schon das Viertelfinale gegen Brasilien. Weil es einfach ein Spiel war, wo es um alles ging – das erste K.O. Spiel. Und ja, wir hatten den großen Traum oder das große Ziel ins Halbfinale zu kommen, um das dann auch zu schaffen. Das Ganze in der ausverkauften Arena mit über 10.000 Menschen war natürlich ein überwältigendes Gefühl.

Wie haben Sie die Atmosphäre in den Hallen und die internationale Konkurrenz wahrgenommen?

Kühne: Die Stimmung in Deutschland war immer super, und nochmals: Die Zuschauer haben uns nach vorne gepeitscht. Die Hallen waren immer ausverkauft oder ganz knapp davor – unter der Woche ist es mit Blick auf die Arbeit natürlich auch mal schwierig. Auch in Holland hat es Spaß gemacht. Natürlich hatten wir da nicht die 10.000 Fans hinter uns, aber da sind auch schon viele Fans mitgereist, und die Familie war da – das war schon eine tolle Unterstützung.

Hauf: Die Atmosphäre war natürlich unbeschreiblich. Vor allem in den Hallen in Deutschland. Die Porsche Arena kennen wir natürlich vom Pokal, aber da ist eine Blomberg Ecke und noch drei andere. Die Arena war komplett ausverkauft – in jedem Spiel. Und die gesamte Halle war für uns. Auch in Dortmund, die fast nahezu immer ausverkaufte Halle, mit vielen Fans die uns da begleitet haben – das war eine unglaubliche Atmosphäre. Wir sind auch stolz, dass viele mit uns den Weg nach Rotterdam gegangen sind um uns dort zu unterstützen. Es ist natürlich nicht ganz wie zu Hause, aber ich glaube es wurde da so viel Arbeit investiert, auch von der Geschäftsstelle, um uns da zu unterstützen. In Summe einfach eine großartige Unterstützung in allen Hallen.

Gab es eine konkrete Situation oder Begegnung bei der WM 2025, die Sie so schnell nicht vergessen werden?

Kühne: Neben dem Halbfinale sicherlich das Auftaktspiel. Gerade für mich war es ja nun das erste Spiel, und da war ich noch ein bisschen aufgeregter, auf internationaler Bühne zu spielen. Es hat aber einfach Spaß gemacht, und mein Debüt ist durchaus gelungen, ich habe viel Spielzeit bekommen. Das fühlt sich dann gleich doppelt gut an. Auch aus dem ersten Spiel ein gutes Gefühl für das weitere Turnier mitnehmen zu können, ist natürlich toll.

Ich würde sagen das war das Spiel gegen Frankreich, das Halbfinale. Ich glaube ich werde einfach nicht so schnell vergessen, wie präsent wir in diesem Spiel waren, wie wir das angenommen haben, wie wir Frankreich auch vor so viele Aufgaben gestellt haben. Ich glaube, damit haben die wenigsten gerechnet, dass wir da so souverän auch das Halbfinale bestreiten und ins Finale kommen.

Alexia Hauf feierte ihr Nationalmannschafts-Debüt bereits am 2.11.22 | Bild: Kenny Beele/DHB

Gab es während des Turniers einen Moment, in dem Sie sportlich über sich hinausgewachsen sind? Antwort Alexia fehlt noch

Kühne: Da kann ich auch wieder nur das Halbfinale nennen. Als Mannschaft haben wir da, gerade in der Abwehr in Kombination mit dem Torhüterspiel, noch mal einen draufgesetzt und alles auf der Platte gelassen. Jeder hat seinen Job gemacht, und ich glaube, da sind wir über uns hinausgewachsen. Am Ende belohnt mit dem Finaleinzug. Als persönlicher Moment eventuell meine Einsatzminuten im Finale – da war ich ziemlich aufgeregt und hatte das, weil es wirklich sehr eng war, gar nicht erwartet. In dem Moment hatte ich – eigentlich bis heute – nicht verstanden, dass es ein WM-Finale war, also das größte Spiel, das du spielen kannst. Dann konnte ich mich noch mit einem Tor belohnen, und das ist so im Nachhinein auch noch ein besonderer Moment.

Mit etwas Abstand betrachtet: Welchen Stellenwert nimmt die Weltmeisterschaft 2025 in Ihrer Karriere ein?

Kühne: Einen sehr großen. Es war mein erstes Großturnier und dann auch noch mit so einem tollen Ausgang. Ich glaube, nach 30 Jahren war der deutsche Frauenhandball mal wieder in einem Finale vertreten, und dass ich davon ein Teil sein durfte, ist wirklich sehr besonders. Atmosphäre, Teamspirit – es hat einfach alles gepasst. Ich werde das Turnier nie vergessen, und die Medaille hat auch einen besonderen Platz, sodass ich sie jeden Tag sehen kann. Das ist auch ein Motivationsschub, dass man jetzt noch weiterkommen möchte, weiter an seinen Zielen arbeitet, um noch mal dort zu stehen und dann eventuell den Titel zu holen.

Hauf: Die Weltmeisterschaft nimmt schon einen sehr großen Stellenwert in meiner Karriere ein, wenn nicht sogar den größten. Das war jetzt mein drittes Großturnier und doch ist so eine Weltmeisterschaft natürlich noch mal was ganz anderes, etwas ganz Besonderes. Das wird man nicht vergessen und es ist auch schwer zu realisieren. Natürlich haben auch die Erfolge, die man mit dem Verein feiern durfte einen enormen Stellenwert – auch dafür hat man hart gearbeitet. Und genau diese Arbeit hat ja letztlich erst dazu geführt, dass man bei einer Weltmeisterschaft dabei sein durfte.

Was nehmen Sie aus dieser WM konkret mit in den Alltag bei der HSG Blomberg-Lippe?

Kühne: Die internationale Erfahrung, die Härte im Spiel und auch die Belastungserfahrung. Da ist man jetzt ein wenig mehr gewappnet für die englischen Wochen, weil man einfach weiß, was für eine Belastung auf einen zukommt. International sind die Spiele noch mal intensiver, noch mal schneller als in der Bundesliga.

Hauf: Zum einen das es gar nicht so leicht ist nach vier Wochen WM wieder zurück in den Alltag zu kommen – so ehrlich muss ich sein. Aber natürlich nimmt man viel, viel Gutes mit. Ziel musste es sein den Schwung aus der WM in den Alltag mitzunehmen um auch im Verein bestmöglich abzuliefern. Also die tragende Euphorie mitzunehmen und zu nutzen.

Welche nächsten Schritte wollen Sie nach dieser Weltmeisterschaft gehen – individuell und im Team?

Kühne: Natürlich wollen wir das jetzt versuchen zu bestätigen. Das soll jetzt nicht so sein: Deutschland war einmal da, und jetzt geht es wieder bergab. Ich glaube, wir sind da auf einem wirklich guten Weg, und dennoch ist es umso schwieriger, so etwas zu bestätigen. Daran werden wir hart arbeiten, und davon möchte ich weiter ein Teil sein. Ziel ist es also, weiter bei der Nationalmannschaft zu sein und meine Leistungen zu bestätigen, um zu zeigen, dass ich zu Recht Teil des Teams bin.

Hauf: Ich möchte auf jeden Fall das positive Erlebnis, die Euphorie und die Stimmung irgendwie wieder in den HSG Alltag mit reinbringen. Positiv vorangehen und auch mit meinen persönlichen Leistungen dem Team auf jeden Fall weiterhelfen. Wir haben da jetzt noch einige wichtige Schritte vor uns und da ist es wichtig, dass wir als Team zusammenstehen und das Gute, einfach das Positive mitzunehmen und gestärkt die nächsten Aufgaben anzugehen.

Wenn Sie jungen Spielerinnen einen Rat mitgeben müssten, die von einer WM träumen: Was würden Sie ihnen sagen?

Kühne: Auf jeden Fall immer an sich zu glauben. Vor ein paar Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es so schnell geht und ich Teil einer Mannschaft bin, die sich jetzt Vizeweltmeister nennen darf. Immer dranbleiben und sich selbst treu bleiben. Das hat mir bei meinen bisherigen Entscheidungen immer geholfen. Und man muss wissen, was man selbst möchte, und darf sich da von keinem anderen groß reinreden lassen.

Hauf: Glaube immer an dich selbst, auch wenn es zwischendurch vielleicht schwere Zeiten gibt, wegen einer Verletzung oder Sonstigem. Und vor allem nie den Spaß dabei zu verlieren.

Abschließend konnte unsere Redaktion noch einen äußerst wertschätzenden O-Ton von Bundestrainer Markus Gaugisch wie folgt ergattern: „Die Gründe für die beiden Nationalspieler innen zu sein, liegt einfach in ihrer Qualität. Nike ist sicherlich in der Komplexität ihrer Fähigkeiten und das eben auch in ihrem jungen Alter, als Jahrgang 2004, unfassbar gut ausgebildet und für uns natürlich eine Spielerin, die Stück für Stück in die Nationalmannschaft auch in Führungsrollen kommen soll. Sie hat alle Fähigkeiten, hat viele Besonderheiten, die sie unterscheiden von anderen Spielerinnen. Das ist weit weg von normalem Standard und deshalb bin ich sehr, sehr glücklich, dass ich sie als Handballerin habe. Und auch ihre Persönlichkeit ist eben so, dass sie eine Mannschaft bereichern kann. Sie hat keine Angst, in entscheidenden Situationen Verantwortung zu übernehmen. Und deshalb bin ich sehr, sehr froh, dass ich sie bei uns habe. Alexia ist jetzt seit mehreren Jahren schon dabei. Eine sehr fleißige Spielerin, die eine unheimliche Geschwindigkeit auf die Platte bringt, sie besticht vor allem eben auch durch Fleiß und Disziplin. Solche Leute brauchen wir auch in der Nationalmannschaft. Ich bin froh dass ich die beiden habe und hoffe, dass sie beide weiterhin ihre Rollen gut ausfüllen, die sie bei der Nationalmannschaft haben.“

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