Aus der NelkenWelt, Impressionen am Ende: Was als Fußballreise zur Weltmeisterschaft 2026 begann, entwickelte sich schnell zu einem unvergesslichen Abenteuer voller Emotionen, Begegnungen, kleiner Dramen und großer Eindrücke. Von Blomberg aus führte uns der Weg zunächst nach Frankfurt, dann weiter über den Atlantik nach Toronto und später quer durch Kanada und die USA bis nach New York. Mit im Gepäck: Deutschlandtrikots, Vorfreude, Reisepässe und die Hoffnung auf unvergessliche Fußballmomente.
Aufbruch mit Vorfreude und erster Nervenkitzel
Früh am Morgen startete unsere Reise mit der Bahn Richtung Hannover und weiter mit dem ICE nach Frankfurt. Schon unterwegs kamen wir mit anderen Fußballfans ins Gespräch, und spätestens am Flughafen war klar: Wir waren nicht die Einzigen mit diesem Ziel. Überall tauchten Deutschlandtrikots auf, die Stimmung war erwartungsvoll und die Vorfreude wuchs mit jeder Minute. Doch noch vor dem Abflug wurde es plötzlich hektisch. Bei der Gepäckaufgabe stellte sich heraus, dass eine fehlerhafte Einreisegenehmigung für Kanada das Einchecken für Henning unmöglich machte. Während die Zeit bis zum Boarding immer knapper wurde, mussten neue Anträge gestellt und Bestätigungsmails abgewartet werden. Die Gruppe stand kurz davor, sich zu trennen. Erst kurz vor knapp kam die erlösende Nachricht: Die Genehmigung war da, und alle konnten gemeinsam in den Flieger steigen.
Ankunft in Toronto
Nach mehr als acht Stunden Flug, mit beeindruckendem Blick auf Grönland, landeten wir am frühen Abend in Toronto. Nach Einreise, Gepäckabholung und Mietwagenübernahme ging es zunächst zum Einkaufen und anschließend in unsere Unterkunft. Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht: Die erste Bar wartete, der erste Burger wurde bestellt, dazu ein Pitcher Bier und natürlich Fußball auf dem Bildschirm. Der lange Reisetag endete müde, aber glücklich.
Toronto zwischen Skyline, See und WM-Stimmung
Am nächsten Tag zeigte sich Toronto von seiner besten Seite: blauer Himmel, angenehme Temperaturen und erste WM-Atmosphäre in der Stadt. Zu Fuß ging es Richtung Stadion und weiter am Lake Ontario entlang in die Innenstadt. Mit dem Hop-on-Hop-off-Bus erkundeten wir Toronto, bestaunten die Aussicht vom CN Tower und ließen uns auf dem Nathan Phillips Square von der Stimmung in der Fanzone mitreißen. Ein besonderes Highlight war die Begegnung mit Fans des Schalke-Fanclubs Kanada. Schnell entstanden Gespräche über Fußball, Heimat und gemeinsame Leidenschaft. Dass uns am Ende sogar ein Schalke-Schal geschenkt wurde, passte perfekt zu dieser Reise: überall offene Menschen, spontane Begegnungen und Momente, die man nicht planen kann.
Spieltag in Toronto
Dann war endlich Spieltag. Treffpunkt war das Amsterdam Brewhouse an der Waterfront. Alles war in Weiß getaucht, überall Deutschlandtrikots, Fahnen und Gesänge. Der gemeinsame Fanmarsch zum Stadion war einer dieser Augenblicke, die lange im Gedächtnis bleiben: eine riesige weiße Schlange von Fans zog am Wasser entlang Richtung Arena. Im Stadion saßen wir in der zweiten Reihe hinter dem Tor. Unsere Fahne mit Blomberg-Schriftzug und BSV-Logo bekam ihren Platz, auch wenn dafür etwas Einsatz nötig war. Als die Nationalhymne erklang, war Gänsehaut garantiert. Das Spiel selbst wurde zum Erlebnis, und mit sechs Punkten im Gepäck ließ sich am Abend besonders gut schlafen.
Natur, Wasserfälle und ein Abstecher in die USA
Nach den Fußballtagen in Toronto führte uns die Reise weiter zu den Niagarafällen. Auf der kanadischen Seite standen wir beeindruckt vor den gewaltigen Wassermassen, die mit unglaublicher Kraft in die Tiefe stürzten. Der Wechsel in die USA dauerte anschließend länger als erwartet: Warteschlange, Nachfragen, Fingerabdrücke, Fotos und am Ende noch eine Einreisegebühr. Auch das gehört zu einem echten Reisebericht dazu. Weiter ging es zum Letchworth State Park, dem sogenannten Grand Canyon des Ostens. Schluchten, Wasserfälle und weite Landschaften machten die Fahrt zu einem beeindruckenden Naturerlebnis. Später erreichten wir Watkins Glen am Seneca Lake. Auch wenn Regen zunächst unsere Pläne durchkreuzte, wurde daraus ein unerwartet spannender Tag mit Motorsportgeschichte, einer alten Rennstrecke und intensiven Gesprächen mit Amerikanern in einer Bar.
Von den Finger Lakes nach New York
Als der Regen am nächsten Morgen verschwunden war, holten wir den Besuch des Watkins Glen State Park nach. Die Wanderung durch die Schlucht mit ihren Wasserfällen war jede Minute wert. Anschließend führte uns der Weg weiter Richtung Ostküste. Stundenlang fuhren wir durch grüne Landschaften, bevor wir schließlich in New Jersey ankamen und unsere Unterkunft bezogen. Kurz darauf standen wir erstmals mitten in Manhattan. Hochhäuser, Menschenmassen, Lichter, Lärm und Bewegung in alle Richtungen: New York machte sofort deutlich, dass hier alles eine Nummer größer ist. Den Abend ließen wir im German House of Soccer ausklingen, dem offiziellen Fan- und Eventzentrum des DFB. Mit Auftritt, Fußballstimmung und vielen Eindrücken endete der erste Tag in der Weltmetropole.
New York: zwischen Times Square und Stadion
Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt: Central Park, Hochhausschluchten, Trubel und überraschende Ruhe lagen dicht beieinander. Am Times Square trafen sich deutsche Fans, aber auch viele Anhänger aus Ecuador. Die Stimmung blieb jederzeit friedlich und freundlich. Immer wieder wurden gemeinsam Fotos gemacht, gelacht und gefeiert. Genau solche Begegnungen zeigen, was ein großes Fußballturnier ausmacht. Ein weiteres Highlight war der Besuch der Aussichtsplattform The Edge. New York bei Sonnenuntergang und später bei Nacht aus großer Höhe zu sehen, war schlicht überwältigend. Lichter, Straßen, Wolkenkratzer und der Hudson River bildeten ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst. In den Tagen in New York kamen wir am Ende auf über 50 Kilometer zu Fuß – und das fühlte sich auch genauso an. Gefühlt gab es an jeder Ecke wieder etwas Neues zu sehen, also liefen wir einfach immer weiter. Schön war‘s, keine Frage, aber irgendwann rauchten die Füße dann doch gewaltig.
Das zweite WM-Spiel und letzte Eindrücke
Auch das zweite WM-Spiel wurde zu einem besonderen Erlebnis. Mit einem Shuttle-Bus der deutschen Nationalmannschaft ging es zum Stadion. Am MetLife Stadium angekommen, wartete noch eine Überraschung: ein Interview mit der ARD. Der Gedanke, dass dieser Beitrag später in Deutschland von Millionen Menschen gesehen werden könnte, sorgte für ordentlich Nervosität. Das Stadion selbst war beeindruckend, die Kulisse riesig und die Stimmung ausgelassen. Sportlich lief es zwar nicht so, wie wir es uns erhofft hatten, doch auch das gehört zum Fußball dazu. Am Ende überwog trotzdem das Gefühl, Teil eines außergewöhnlichen Ereignisses gewesen zu sein. Vor der Heimreise blieb noch Zeit für weitere Eindrücke: Ground Zero und das 9/11 Memorial, die Fähre nach Brooklyn, der Gang über die Brooklyn Bridge und eine letzte Runde mit dem Hop-on-Hop-off-Bus. New York beeindruckte uns enorm, war uns aber zugleich auch fast zu viel: zu groß, zu laut, zu teuer und zu voll für drei Landeier aus dem beschaulichen Blomberg.
Fazit
Am Ende blieb die Erkenntnis: Diese Reise war weit mehr als nur ein Besuch bei der Weltmeisterschaft. Sie war eine Mischung aus Fußballleidenschaft, Abenteuer, Naturerlebnissen, Großstadtmomenten und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Von der Schrecksekunde am Flughafen bis zur Aussicht über New York, vom Fanmarsch in Toronto bis zu den Niagarafällen: Es war eine Reise, die noch lange nachwirken wird.
Anmerkung der Redaktion:
Von rund 3.000,- Euro Fixkosten ist das Blomberger Trio ausgegangen, am Ende wurden es ca. 4.300,- Euro pro Kopf – und dennoch, für ein einmaliges Erlebnis, von dem man viele Jahre wird zehren können, jeden Cent wert. Preisbeispiele: Im Stadion in New York kostete ein ungefähr halber Liter Bier rund 14 Euro, in Toronto „nur“ rund 11,20 Euro. Ein Wasser (0,6 Liter) kostete in NY mit 4,40 Euro verhältnismäßig wenig (im Vergleich zum Bier), Toronto war mit ca. 4,30 Euro noch etwas günstiger. Schön, dass die Blomberger wieder heile gelandet sind und es beim Spiel gegen Ecuador sogar ins Fernsehen geschafft haben und letztlich Werbung für die Nelkenstadt machen konnten.


















