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Grußwort des Landtagsabgeordneten Baer zum 450-jährigen Jubiläum des ABS

von | Sep. 19, 2026 | ABS & Co., Blomberg, Events & Kultur

Alexander Baer (re.) überreichte die Ehrenplakette an Oberst Peter Begemann.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder, liebes Altes Blomberger Schützenbataillon, 450 Jahre – das ist eine Zahl, bei der man erst einmal tief durchatmen muss. Denn wenn ein Verein auf eine solche Geschichte zurückblicken kann, dann reden wir nicht einfach über ein Vereinsjubiläum. Wir reden über ein Stück Heimatgeschichte.

Und ich möchte heute mit einem ganz persönlichen Stück Geschichte, mit einer Erinnerung beginnen. Denn ich war schon einmal anlässlich des Lippischen Schützentags hier in Blomberg. Das war im Jahr 1998. Damals allerdings nicht als Landtagsabgeordneter, sondern ganz schlicht und einfach als Schützenbruder, gemeinsam mit meinem Vater und meiner Schützengemeinschaft Brake.

Wenn mir damals jemand gesagt hätte: „Du wirst 16 Jahre später hier beim 450-jährigen Jubiläum des Alten Blomberger Schützenbataillons stehen und als Landtagsabgeordneter die Ehrenplakette des Landes Nordrhein-Westfalen überreichen“, ich hätte ihm wahrscheinlich einen Vogel gezeigt.

Umso schöner ist es für mich, heute tatsächlich wieder hier zu sein.

Damals als Schützenbruder mittendrin. Heute in einer anderen Funktion, aber mit derselben Verbundenheit zu dem, was Schützenvereine ausmacht. Und genau darum geht es bei diesem Jubiläum: um Verbundenheit.

450 Jahre Altes Blomberger Schützenbataillon: Das sind viereinhalb Jahrhunderte Tradition, Gemeinschaft und Engagement.

Aber Tradition bedeutet eben nicht, einfach nur zurückzuschauen. Tradition lebt davon, dass Menschen sie immer wieder mit Leben füllen.

Denn 450 Jahre übersteht kein Verein allein durch schöne Uniformen, alte Fahnen und historische Protokollbücher. 450 Jahre übersteht ein Verein, weil Menschen Verantwortung übernehmen. Weil einer sagt: „Ich mache mit.“ Weil jemand ein Amt übernimmt, obwohl er weiß, dass damit Arbeit auf ihn zukommt. Weil Generationen ihre Kinder und Jugendlichen für das Vereinsleben begeistern. Und weil Menschen bereit sind, Zeit füreinander und für ihre Heimat zu investieren.

Das ist etwas, das wir gerade heute besonders würdigen sollten.

Denn bei allen Veränderungen unserer Zeit bleibt eines erstaunlich konstant: Menschen wollen zusammenkommen. Sie wollen gemeinsam feiern, gemeinsam anpacken und gemeinsam etwas erleben. Sie sind miteinander, mit ihrem Brauchtum und mit ihrer Heimat verbunden.

Und wenn man ein bisschen tiefer in die Seele unserer Region schaut, dann merkt man schnell: In Lippe gehört das Schützenwesen einfach dazu.

Das zeigt schon die Geschichte des Alten Blomberger Schützenbataillons.

Als der Verein 1576 gegründet wurde, erwuchs aus dem Bürgereid zunächst die Pflicht zum Schützendienst. Heute ist das längst keine Pflicht mehr, zum Glück. Aber dass Menschen sich für ihre Gemeinschaft einsetzen, das gibt es in Blomberg bis heute.

Und auch sonst steckt in 450 Jahren Vereinsgeschichte so manche bemerkenswerte Episode:

Seit 1886 wird das Blomberger Schützenfest alle zwei Jahre gefeiert – und das aufgrund einer Volksabstimmung. Das ist bemerkenswert. Andere Städte diskutieren über Bürgerbeteiligung, in Blomberg hat man das offenbar schon vor langer Zeit praktisch ausprobiert.

Und gefeiert wurde in Blomberg sicherlich schon immer gerne. Mit einem kleinen Fauxpas im Jahr 1926. Denn da hat man das 350-jährige Jubiläum schlicht verpasst, weil die Gründungsunterlagen fehlten. Man hat die Feier eben 1927 nachgeholt.

Ich finde: Auch das ist irgendwie eine sehr sympathische Form von Vereinsgeschichte.

Denn vielleicht ist genau das ein Teil von 450 Jahren Tradition: Man muss nicht immer alles perfekt machen. Wichtig ist, dass man zusammenhält, einander verbunden bleibt und dass man am Ende trotzdem gemeinsam feiert.

Das ist eine Qualität, die einem Verein nach 450 Jahren ausgesprochen gut zu Gesicht steht.

Wer verstehen möchte, wie sehr zum lippischen Schützenwesen neben Tradition und Verbundenheit auch Humor und eine gehörige Portion Selbstironie gehören, der muss eigentlich nur einmal ins historische Lipper Schützenlied hineinhören.

Da ziehen die lippischen Schützen los, um das Vaterland zu schützen, und verlieren unterwegs zuerst einmal ihre Fahne. Dann marschieren sie im Zickzack durch Lippe weiter, kehren hier und da ein, futtern in Essen ihren mitgebrachten Pickert auf und stellen am Ende fest, dass der Krieg eigentlich schon vorbei ist.

Tja, was soll ich sagen: Ein zünftiger Imbiss und ein guter Schluck Wacholder wäre mir ehrlich gesagt auch lieber, als in den Krieg zu ziehen.

So ist das wohl hier in Lippe.

Aber nun zurück zur Geschichte des Alten Blomberger Schützenbataillons und den ganz großen Momenten: der bereits erwähnte 4. Lippische Schützentag 1998 mit rund 3.500 Schützen hier in Blomberg, die Teilnahme an der Steuben-Parade in New York im Jahr 2000, die regelmäßigen Auftritte beim großen Schützenausmarsch in Hannover und natürlich der 60. Westfälische Schützentag im Jahr 2010 mit mehr als 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Hinter all diesen großen Ereignissen stehen immer Menschen. Menschen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die ihre Freizeit investieren. Menschen, die einen Festzug organisieren, eine Halle renovieren, einen Kuchen backen, Nachwuchs begeistern oder einfach dafür sorgen, dass am Ende alle gemeinsam am Tisch sitzen.

Das ist Ehrenamt.

Und gerade deshalb ist ein Jubiläum wie dieses auch ein Anlass, einmal ganz herzlich Danke zu sagen. Danke an all diejenigen, die das Alte Blomberger Schützenbataillon über Generationen hinweg getragen haben. Danke an die heutigen Mitglieder und an diejenigen, die vor ihnen Verantwortung übernommen haben.

Und vor allem danke an die Familien und Freunde, die hinter den Schützen stehen und dieses Engagement mittragen. Denn 450 Jahre schafft man nicht allein. Man schafft sie nur gemeinsam.

Und deshalb freue ich mich ganz besonders, heute im Namen des Landes Nordrhein-Westfalen eine Auszeichnung überreichen zu dürfen. Die Ehrenplakette des Landes ist ein Zeichen der Anerkennung für besonderes und langjähriges Engagement.

Und ich glaube, kaum ein Anlass könnte passender sein als dieser. Diese Plakette steht nicht nur für die lange Geschichte des Vereins. Sie steht auch für all die Menschen, die diese Geschichte geschrieben haben, und für diejenigen, die sie heute und in Zukunft weiterschreiben.

Ich darf Ihnen die herzlichsten Glückwünsche des Landes Nordrhein-Westfalen überbringen und Ihnen diese Ehrenplakette überreichen.

Und für die Zukunft wünsche ich dem Alten Blomberger Schützenbataillon vor allem eines: Bleiben Sie so, wie Sie sind. Bewahren Sie Ihre Tradition. Geben Sie sie an die nächste Generation weiter. Und bleiben Sie offen für Neues.

Denn wenn man nach 450 Jahren noch gemeinsam singen kann – notfalls auch mal ein bisschen schief –, wenn man gemeinsam marschiert, gemeinsam feiert und gemeinsam anpackt, dann hat ein Verein offenbar alles richtig gemacht.

In diesem Sinne:

Herzlichen Glückwunsch zu 450 Jahren, liebes Blomberger Schützenbataillon!

Ein schallendes Horrido! Auf die Schützen, auf Blomberg, auf Lippe und auf die nächsten 450 Jahre!

Horrido!

 

 

Vielen Dank an Alexander Baer für die zur Verfügung gestellte Rede.

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