
Die neue Präsentation gliedert sich in mehrere Themenbereiche / Foto: Lippisches Landesmuseum
Das Frühmittelalter in Lippe erweitert die archäologische Dauerausstellung
Mit einem neuen Ausstellungsbereich widmet sich das Lippisches Landesmuseum Detmold erstmals dem Frühmittelalter in Lippe. Ausgangspunkt ist ein außergewöhnlicher archäologischer Fund: 2022 wurde bei einer Grabung in Schieder-Schwalenberg ein frühmittelalterliches Gräberfeld mit über 70 Bestattungen entdeckt. Die Funde schließen eine bislang erhebliche Forschungslücke für die Zeit zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert in der Region.
Ursprünglich handelte es sich um eine routinemäßige Baugrunduntersuchung. Schnell zeigte sich jedoch, dass hier ein bedeutender Bestattungsplatz des Frühmittelalters freigelegt worden war. Die geborgenen Objekte – darunter Waffen, Schmuck, Glasperlen und Hinweise auf Pferdebestattungen – lassen Rückschlüsse auf soziale Strukturen, Bestattungsrituale und kulturelle Kontakte der damaligen Gesellschaft zu. Allein durch diesen Fundbestand hat sich die Zahl der bekannten frühmittelalterlichen Artefakte aus Lippe mehr als verhundertfacht.
Nach der Bergung wurden die Objekte in der Restaurierungswerkstatt der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster konserviert und für die langfristige Aufbewahrung vorbereitet. Seit 2024 erfolgt ihre wissenschaftliche Auswertung am Lippischen Landesmuseum. Auch wenn die Forschung noch andauert, sind erste Ergebnisse nun bereits in der Dauerausstellung zu sehen.
Die neue Präsentation gliedert sich in mehrere Themenbereiche. Im Mittelpunkt stehen zunächst die reichen Waffenfunde. Sie zeigen, dass Grabbeigaben weniger die tatsächliche Bewaffnung widerspiegeln, sondern vielmehr bewusst zur Inszenierung der verstorbenen Person im Rahmen der Bestattung dienten. Besonders deutlich wird dabei ein Wandel im Laufe des Frühmittelalters: Während zunächst unterschiedliche Waffen ins Grab gelegt wurden, gewinnt das Schwert später zunehmend an Bedeutung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kleidung und Schmuck, exemplarisch dargestellt anhand der Frauenmode. Hunderte filigran gefertigter Glasperlen, Fibeln und Armreifen verdeutlichen die gesellschaftliche Bedeutung des äußeren Erscheinungsbildes. Viele dieser Objekte zeugen zudem von weitreichenden kulturellen und wirtschaftlichen Kontakten.
Weitere Stationen thematisieren die bis ins Frühmittelalter hinein praktizierte Brandbestattung, deren archäologische Spuren lange Zeit schwer zu erkennen waren, sowie die besondere Rolle des Pferdes, das in einzelnen Fällen sogar eigene Bestattungen erhielt. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Medienstation, an der Besucherinnen und Besucher vertiefende Einblicke etwa in die Herstellung von Glasperlen oder die aufwendige Schmiedekunst frühmittelalterlicher Schwerter erhalten können.
Die frühmittelalterlichen Gräber von Schieder eröffnen damit nicht nur neue Perspektiven auf eine bislang wenig bekannte Epoche der Regionalgeschichte, sondern machen zugleich deutlich, wie eng archäologische Forschung und museale Vermittlung miteinander verbunden sind. Die neuen Ausstellungsteile sind in der archäologischen Dauerausstellung des Museums zu sehen.
Pressemeldung: Lippisches Landesmuseum

















