Netzentgelte 2026 deutlich gesunken
Die Stromnetzentgelte sind im Durchschnitt der sieben Netzbetreiber in Lippe im Jahr 2026 deutlich gesunken – auf der Niederspannungsebene um fast 10 Prozent und auf der Mittelspannungsebene um 18,4 Prozent. Das zeigt der aktuelle Vergleich der Entgelte für verschiedene Abnahmefälle auf Niederspannungs- bzw. Mittelspannungsebene in Lippe und benachbarten Verteilnetzgebieten der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). „Je nach Netzbetreiber und Spannungsebene müssen die Unternehmen in Lippe zwischen 4,5 und 28,5 Prozent weniger Netzentgelte zahlen“, berichtet Matthias Carl, Geschäftsführer der IHK Lippe.
Die IHK Lippe hat verschiedene Abnahmefälle von Sondervertragskunden auf Niederspannungs- bzw. Mittelspannungsebene in Lippe und benachbarten Verteilnetzgebieten betrachtet. Unternehmen in Lippe, die Strom auf der Mittelspannungsebene beziehen, zahlen mit durchschnittlich 5,54 Cent pro Kilowattstunde 18,4 Prozent weniger als 2025. Das Netzentgelt auf der Niederspannungsebene beträgt in Lippe im Schnitt 9,37 Cent/kWh und sinkt damit im Vergleich zum Vorjahr um 9,9 Prozent.
Auf der Niederspannungsebene beziehen vor allem kleinere Gewerbebetriebe ihren Strom. Am günstigsten schneidet hier die Westfalen Weser Netz mit 8,38 Cent/kWh ab (-11,6 Prozent gegenüber 2025). „Beim teuersten lippischen Netzbetreiber zahlen vergleichbare Stromkunden mit 10,23 Cent/kWh immerhin 1,85 Cent mehr. Im letzten Jahr lag das Netzentgelt hier aber noch 0,66 Cent höher“, betont Carl.
Größere Betriebe beziehen Strom vor allem auf der Mittelspannungsebene. „Im Durchschnitt der vier betrachteten Abnahmefälle verlangen die Stadtwerke Lemgo hier mit 4,95 Cent/kWh (-19,5 Prozent) die geringsten Netzentgelte“, sagt Carl. Das seien 1,78 Cent/kWh oder knapp 26 Prozent weniger als beim teuersten Netzbetreiber.
Im Vergleich der umliegenden Netzgebiete sind die Stadtwerke Lippstadt GmbH sowohl auf der Niederspannungsebene (7,05 Cent/kWh) wie auch auf der Mittelspannungsebene (4,35 Cent/kWh) am günstigsten. Die teuersten betrachteten Netzbetreiber aus der Umgebung sind die Netzgesellschaft Gütersloh mit 12,82 Cent/kWh bei der Niederspannung und mit 5,94 Cent/kWh bei der Mittelspannung.
Als wesentlichen Grund für die günstiger ausfallenden Netzentgelte nennt Carl den Zuschuss der Bundesregierung zu den Übertragungsnetzentgelten in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. „Der Zuschuss wird sehr ungleichmäßig auf die einzelnen Netzbetreiber verteilt“, begründet Carl zumindest in Teilen die großen Unterschiede bei der Absenkung der Netzentgelte. Insbesondere Netzbetreiber, die viel Strom aus dem Übertragungsnetz beziehen, profitierten vom Zuschuss. Netzbetreiber, die im eigenen Netzgebiet über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien verfügen und Strom vor allem auf der Mittelspannungsebene beschaffen, würden schlechter gestellt, kritisiert Carl.
Für die Zukunft geht Carl von tendenziell eher steigenden Netzentgelten aus: „Sowohl auf der Verteil- wie auch auf Übertragungsnetzebene müssen die Netze für die Zukunft fit gemacht werden.“ Die Netze müssten immer mehr dezentral einspeisende Erzeugungsanlagen integrieren. Die Elektrifizierung des Verkehrs und der Wärmeversorgung führe zu steigenden Lasten. Und um sich krisensicher aufzustellen, müssten zudem Redundanzen geschaffen werden, erläutert Carl.
Die Netzentgelte beinhalten i.d.R. neben dem Arbeits- und Leistungspreis für die Netznutzung die Kosten für Messstellenbetrieb, Messung und Abrechnung. Die Netznutzungsentgelte können von den Netzbetreibern nicht frei festgelegt werden. Sie werden in einem komplexen Verfahren durch die Bundesnetzagentur genehmigt. Die Höhe der Netzentgelte ist ortsgebunden und hängt von vielen Faktoren wie Anschlussdichte, Erneuerungsbedarf des Stromnetzes, Versorgungsqualität und Effizienz des Netzbetreibers ab.
Dem Vergleich der IHK Lippe liegen die Durchschnittswerte von vier Verbrauchsfällen auf Mittelspannungsebene und für drei Abnahmefälle auf Niederspannungsebene zugrunde. Die einzelnen Verbrauchsfälle unterscheiden sich in Leistung, Strommenge und Benutzungsstunden. Mittelspannungsnetze werden üblicherweise mit elektrischen Spannungen von 10 bis 30 Kilovolt und Niederspannungsnetze bei 250 bis 1000 Volt betrieben. Tabellen und Grafiken unter www.ihk.de/lippe-detmold (Nr. 4500498)
Pressemeldung: IHK Lippe














