
Holen gemeinsam das Thema Einsamkeit aus der Tabuzone: (v. links) Alina Esch, Bürgermeister Markus Baier, Christina Sievert, Kerstin Vieregge, Sabine Beine (Kreis Lippe), Andrea Sluyterman van Langeweyde (Evangelisches Johanneswerk), Vanessa Tellmann (Pflegeschule Lippe), Dirk Menzel (Kreis Lippe), Annika Henselmeyer (Evangelisches Johanneswerk).
Fachtag bricht das Schweigen über Einsamkeit
Einsamkeit ist eine der leisesten, aber gravierendsten Herausforderungen unserer Zeit. Sie trifft auch Pflegebedürftige und diejenigen, die sie versorgen. Mit dem ersten „Fachtag Einsamkeit“ hat Initiatorin Christina Sievert vom Berufskolleg Eben Ezer das Thema jetzt gezielt aus der Tabuzone heraus mitten in die Ausbildung der Gesundheitsberufe geholt. Sie versammelte rund 150 Schülerinnen und Schüler der Kranken- und Heilerziehungspflege sowie aus Erziehungsberufen im Innovation Spin in Lemgo. Im Team mit Vertretern des Evangelischen Johanneswerks, der Schulen für Pflegeberufe Herford-Lippe und des Kreises Lippe ermöglichte sie den Auszubildenden, sich über Ursachen der Einsamkeit, ihre Ausprägungen und Folgen auszutauschen.
„Dieser Fachtag ist ein starkes Signal; er macht das drängende Problem sichtbar und legt eine Basis für echte Veränderungen“, lobt Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge, die als politische Begleiterin des Tages eingeladen war. Ihr ist wichtig, „dass wir Einsamkeit nicht länger als privates Versagen, sondern als gemeinsame Aufgabe verstehen.“ In ihrem Grußwort betonte sie, dass die professionelle Wahrnehmung von Einsamkeit fest in moderner Gesundheitsversorgung verankert sein sollte: „Wer lernt, die Einsamkeit bei anderen zu erkennen und zu lindern, leistet einen unschätzbaren Beitrag für unsere Gesellschaft.“
Konkrete Hilfestellung dafür erhielten die Fachtagsteilnehmer von Alina Esch, die psychosoziale Beraterin an der Hochschule Niederrhein ist. Sie informierte über wissenschaftliche Erkenntnisse und Hintergründe zur Einsamkeit. In Workshops setzten die Auszubildenden sich anschließend mit unterschiedlichsten Facetten des Themas auseinander – Einsamkeit im Alter, Einsamkeit bei Jugendlichen, der Zusammenhang von Einsamkeit und Scham oder die Rolle der digitalen Medien gehörten dazu. Die Breite der Themen zeigte eindrucksvoll, wie tiefgreifend das Phänomen ist.
Viele Wege heraus aus der Einsamkeit zeigte ein lebendiger „Markt der Möglichkeiten“, an dem sich Stadt und Kreis, Kirchen, Versicherer und ehrenamtliche Organisationen beteiligten. Die breite Unterstützung für den Tag und das erfolgreiche Zusammenwirken aller Beteiligten nennt Kerstin Vieregge „vorbildlich“. Als Sponsoren waren die Stadt Lemgo, die Finke Stiftung, der Versicherer im Raum der Kirchen (VRK) und die BKK Diakonie zur Stelle und sorgten unter anderem für die Verpflegung der Auszubildenden.
An den Erfolg knüpft Vieregge eine klare Erwartung für die Zukunft: „Dieser Fachtag darf keine Eintagsfliege bleiben. Ich wünsche mir, dass wir damit heute einen Stein ins Rollen gebracht haben. Wir brauchen mehr solcher Aktionen, die das Thema Einsamkeit konsequent enttabuisieren und Vernetzung fördern – in den Kliniken, in der Ausbildung und in unserer gesamten Gesellschaft.“
Pressemitteilung und Foto der Bundestagsabgeordneten Kerstin Vieregge














