
Foto: Weibz Media
Rückstand gedreht, Moral bewiesen, Punkt gewonnen! Mit einer bärenstarken Schlussphase sicherte sich der TBV Lemgo Lippe am Sonntagnachmittag einen zwischenzeitlich kaum noch für möglich gehaltenen Punkt beim TVB Stuttgart. Am 26. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga liefen die Lemgoer lange einem Rückstand hinterher, kamen jedoch in den Schlusssekunden noch zum vielumjubelten 32:32 (14:16)-Ausgleich. Im Süden musste der TBV erneut auf den zuletzt an der Hand operierten Urh Kastelic verzichten. Für ihn rückte einmal mehr Linus Borreck in den Kader.
Zu Beginn des Spiels taten sich die Lemgoer vor allem im Angriff noch schwer. Ganze fünf Minuten dauerte es, ehe Joel Willecke den ersten Treffer des Abends markieren konnte (5., 1:2). Die Stuttgarter zeigten sich bestens eingestellt auf die Angriffsbemühungen des TBV und boten kaum Lücken. Einen Wurf aus spitzem Winkel verwandelte Samuel Zehnder dennoch sicher (7., 2:3). In der Folge war es vor allem Kapitän Tim Suton, der Verantwortung übernahm und immer wieder dorthin ging, wo es wehtut. Als dann auch noch Constantin Möstl mit einer starken Doppelparade ins Spiel fand (14., 5:5), Zehnder anschließend blitzschnell auf die Reise geschickt wurde und zur 6:5-Führung (14.) traf, schien der TBV das Spielgeschehen im Griff zu haben.
Doch die Lipper schafften es nicht, einen Vorteil aus dem Paradenplus (4:0) zu ziehen und brachten stattdessen mit einfachen Fehlern den TVB zurück in die Begegnung. Vor allem gegen den großgewachsenen Lenny Rubin fand die Lemgoer Abwehr keine Mittel. Dieser sorgte mit seinem vierten Treffer für die Zwei-Tore-Führung der Gastgeber (27., 12:14) und stellte mit einem direkten Freiwurf mit der Schlusssirene den 14:16-Halbzeitstand her.
In den zweiten Abschnitt startete Kehrmann mit einem Torhüterwechsel. Doch der Beginn verlief aus TBV-Sicht maximal unglücklich. Simone Mengon traf zum 18:15 (32.) und zog zusätzlich eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Suton. In der Folge schien dem TBV das Spiel aus der Hand zu gleiten. Nach einem Ballverlust von Hendrik Wagner war es erneut Rubin, der sein Team mit 16:21 (36.) deutlich in Führung brachte. Die Lipper wehrten sich nun mit allen Mitteln, rannten mit Wut im Bauch an und verkürzten mit einem Doppelschlag auf 18:21 (37.). Allerdings meldete sich nun auch der Stuttgarter Torhüter Mateusz Kornecki im Spiel an und ebnete mit seiner fünften Parade innerhalb von neun Minuten den Weg zur erneuten Fünf-Tore-Führung des TVB (39., 18:23).
Hocheffizient zeigten sich die Stuttgarter vor dem Lemgoer Tor und verwandelten bis zu diesem Zeitpunkt 82 Prozent ihrer Wurfchancen. Dem Kampfgeist der Mannschaft von Kehrmann tat dies keinen Abbruch. Immer wieder rannten die Lemgoer an, verkürzten in der 49. Minute auf 25:27 und mussten dann mit ansehen, wie der TVB jede Lücke im Abwehrverbund eiskalt nutzte, um wieder davonzuziehen (52., 25:29). Die Zeit tickte, und der TBV benötigte nun eine perfekte Schlussphase, um noch etwas Zählbares mit auf die Heimreise zu nehmen. Gar nicht in die Karten spielte, dass eine Parade von Möstl drei Minuten vor dem Ende trotz Hechtsprungs von Frederik Simak wieder in den Armen der Stuttgarter landete und Jakob Nigg im zweiten Versuch die Nerven behielt (57., 32:29).
In den Schlussminuten rührten die Lemgoer jedoch Beton an, ließen keinen Gegentreffer mehr zu und bekamen acht Sekunden vor dem Ende beim Stand von 31:32 einen Siebenmeter zugesprochen. Zehnder behielt in dieser enormen Drucksituation die Nerven und verwandelte zum 32:32-Endstand. Ein letzter Wurfversuch der Stuttgarter überquerte erst nach der Schlusssirene die Torlinie. Bester Lemgoer Werfer war Zehnder mit neun Toren. Durch den Punktgewinn hält der TBV mit nun 35:17 Punkten weiterhin Anschluss an Kiel (36:16) und Gummersbach (37:13). Weiter geht es für die Lemgoer am nächsten Samstag (4.4., 19 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die MT Melsungen. Für das Duell sind nur noch wenige Stehplatzkarten erhältlich.
Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Es war der erwartet intensive Fight hier in Stuttgart. Wir kommen eigentlich ganz gut ins Spiel, schaffen es aber vorne nicht, konsequent gute Lösungen zu finden. Mit eigenen Fehlern geben wir dem TVB dann die Kontrolle. Kurz nach der Halbzeit bringen wir uns mit minus drei in eine schwierige Situation, und das Spiel droht nach 35 Minuten schon komplett verloren zu gehen. Doch meine Mannschaft hat sich immer wieder dagegen gewehrt und sich zurück in Schlagdistanz gebracht. Hinten raus ist es eine unglaubliche Energieleistung, die uns diesen Punktgewinn ermöglicht. In der Abwehr rühren wir Beton an, bestrafen jeden Stuttgarter Fehler und spielen es im Sieben-gegen-Sechs sehr cool runter. Irgendwo ist der Punkt vielleicht verdient, aber sicherlich auch etwas glücklich.“
TVB Stuttgart – TBV Lemgo Lippe 32:32 (16:14)
TVB Stuttgart: Kornecki (5 Paraden), Vujovic (1 P.); M. Häfner 4, Serradilla 1, Lien, Snajder, Mengon 2, Röthlisberger, Schmid, Matzken 4, Zieker 1, K. Häfner 8, Rubin 9, Nigg 3
TBV Lemgo Lippe: Möstl (8 Paraden), Borreck (2 P.); Hutecek 2, Theilinger, Zehnder 9/4, Mudrow, Simak 1, Schagen 3, Carstensen, Nyfjäll, Suton 6, Willecke 2, Versteijnen 4, Wagner 4, Faust 1
Pressemeldung: TBV













