
Udo Arens, hier als Schütze des ABS.
Der für die Blomberger Versorgungsbetriebe zuständige Aufsichtsrat stand vor rund zwei Jahren vor der Herausforderung, das Unternehmen an der Spitze mit guter Perspektive neu aufzustellen, da der damalige Geschäftsführer Dirk Middendorf kurz vor Ostern die Gremien informiert hatte, für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung zu stehen. Gefunden wurde dann Michael Reiß und aus den Reihen des Aufsichtsrats hieß es: „Wir haben nach der für uns überraschenden Information nach Ostern die Ausschreibung vorbereitet und im Frühsommer die Geschäftsführung der Blomberger Versorgungsbetriebe ausgeschrieben. Nach Ende der Bewerbungsfrist konnte im Juni und Juli der Auswahlprozess begonnen und zügig abgeschlossen werden. Am Ende waren alle am Prozess Beteiligte der Überzeugung, mit Michael Reiß die Persönlichkeit gefunden zu haben, die die Herausforderungen, die insbesondere in der Energiewirtschaft bestehen, gut bewältigt, damit BVB weiter ein innovatives Unternehmen mit guter Perspektive bleibt. Herr Reiß ist ausgewiesener Fachmann und verfügt über langjährige einschlägige berufliche Erfahrungen in den verschiedenen Feldern der Energiewirtschaft. Er hat somit ein solides Fundament für die neuen Aufgaben. Die Herausforderungen für ein kommunales Stadtwerk kennt er aus der Praxis.“ Das war vor vor nicht einmal zwei Jahren.
Nun gibt es einen erneuten Wechsel an der Spitze des Blomberger Unternehmens. Die CDU-Fraktion hatte schon in die Rats-Sitzung vom 19.03.2026 einen Antrag „Verbesserung der Informationsgrundlagen des Rates zur Entwicklung der Blomberger Versorgungsbetriebe (BVB)“ in den Rat der Stadt Blomberg wie folgt eingebracht: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, die Energiemärkte stehen unter enormen Druck. In den kommenden Jahren werden Investitionen in Milliardenhöhe auf die kommunalen Stadtwerke zukommen. Als Hauptgesellschafter trägt der Rat der Stadt Blomberg die politische Verantwortung für das kommunale Stadtwerk Blomberger Versorgungsbetriebe (BVB). Ein einmaliges jährliches abnicken durch den Rat wird dieser Verantwortung, aufgrund des volatilen Marktumfeldes, sicherlich nicht mehr gerecht. Besonders deutlich wurde dies in der letzten Ratssitzung des Jahres 2025, als im „vorbeigehen“ erklärt wurde, dass die BVB das Betriebsergebnis 2024, statt wie geplant mit einer schwarzen Null, mit einem Minus von 1,6 Mio. € abschließt. Da stellt sich grundsätzlich die Frage, ob der Rat hier überhaupt noch verantwortlich handeln kann und wenn ja, wann und wie diese Intervention rechtzeitig hätte erfolgen sollen und auf welcher Basis? Um dieser Verantwortung aber gerecht werden zu können, bedarf es einer deutlich besseren Transparenz als das aktuell der Fall ist. Aus diesem Grund mahnt die CDU-Fraktion ein deutlich verbessertes Berichtswesen der BVB in Richtung des Rates der Stadt Blomberg an und unterbreitet dazu nachstehenden Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Blomberg bittet mit Nachdruck die Geschäftsführung der BVB, im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat, dem Rat regelmäßig, mindestens quartalsweise, über wesentliche Maßnahmen und strategische Entwicklungen zu berichten. Die Ausgestaltung des Berichtswesens erfolgt unter Wahrung der Zuständigkeiten von Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Im nachfolgenden sind Inhaltspunkte zum Reporting formuliert. Im Einvernehmen zwischen Rat, Aufsichtsrat und Geschäftsführung können diese ergänzt oder angepasst werden.
Der Quartalsbericht soll folgende Punkte enthalten:
a) Maßnahmenplanung
o Darstellung der kurzfristig (1–2 Jahre) und langfristig (3–10 Jahre) geplanten Maßnahmen
o Zuordnung zu den Geschäftsfeldern (Strom, Gas, Wasser, ggf. neue Geschäftsfelder)
o Angabe der voraussichtlichen Kosten und Finanzierungsart
o Zeitplan bis zur Wirksamkeit
b) Wirksamkeitsdarstellung
o Ziel der jeweiligen Maßnahme
o Erwartete wirtschaftliche, ökologische und versorgungstechnische Effekte
o Einschätzung der tatsächlichen Wirksamkeit bereits umgesetzter Maßnahmen
c) Markteinschätzung
o Regelmäßige Bewertung der relevanten Energiemärkte
o Einschätzung zu:
– Preisentwicklungen
– regulatorischen Veränderungen
– technologischen Trends
– Kundenverhalten => neu, abgewandert, warum?
o Daraus Ableitung des Anpassungsbedarfs für bestehende Planungen, vertriebliche Ziele
d) Strategisches Zukunftsbild
o Darstellung, wo sich die BVB als kommunaler Versorger in 10 Jahren sieht
o Rolle der BVB in:
– Energiewende
– Versorgungssicherheit
– kommunaler Wertschöpfung
o Notwendige strategische Weichenstellungen
Der Bericht ist dem Rat in geeigneter Form zur Verfügung zu stellen, die wesentlichen Punkte sind mündlich zu erläutern. Nicht-öffentliche Inhalte können in einem nicht-öffentlichen Teil behandelt werden.
Begründung: Angesichts dynamischer Energiemärkte, steigender Investitionsbedarfe und langfristiger strategischer Entscheidungen ist eine regelmäßige, strukturierte Information des Rates erforderlich. Dabei hilft ein Quartalsreporting, da es die demokratische Kontrolle, die Transparenz und die strategische Steuerungsfähigkeit des Rates stärkt, ohne in die operative Verantwortung der Geschäftsführung oder des Aufsichtsrates einzugreifen.
Auch die SPD hatte sich offensichtlich mit der Thematik befasst und „zeitgleich“ folgenden Antrag ins Gremium eingebracht: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, die Herausforderungen für kommunale Energieversorgungsunternehmen sind in den letzten Jahren stetig gewachsen. Politische Entscheidungen wie die Energiewende, weltpolitische Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine und eine Veränderung des globalen wirtschaftlichen Umfeldes haben zu gravierenden Veränderungen des Marktes und des Verbraucherverhaltens geführt. Steigende gesetzliche und regulatorische Anforderungen, technische Entwicklungen und der Wettbewerb um Fachpersonal verstärken das Spannungsfeld, in dem sich auch die Blomberger Versorgungsbetriebe (BVB) befinden. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es die Aufgabe der Geschäftsführung der BVB, eine solide wirtschaftliche Entwicklung unter Beachtung der öffentlichen Zweckbestimmung sicherzustellen. Doch auch der Stadt Blomberg als alleiniger Gesellschafterin und Eigentümerin kommt hier eine wichtige Rolle zu, vertreten durch den Rat der Stadt (Gesellschafterversammlung).
Daher stellt die SPD-Fraktion folgenden Antrag: Zukünftig erfolgt in jeder Ratssitzung, mindestens vierteljährlich, ein Bericht der Blomberger Versorgungsbetriebe im Rat unter dem Tagesordnungspunkt „Besonders bedeutungsvolle Angelegenheiten der BVB“. Verantwortlich für die Ausgestaltung des Tagesordnungspunktes ist der Aufsichtsrat der BVB als Kontrollgremium. Er legt fest, wer zu welchem Thema im Rat berichtet (z.B. Bürgermeister, Aufsichtsratsvorsitzender) und ob die Themen öffentlich oder nichtöffentlich sind.
Der Bericht soll folgende Inhalte umfassen:
1. Jährlich im Umfeld der Vorlage des Wirtschaftsplans für das kommende Jahr, jeweils strukturiert für die verschiedenen wesentlichen Geschäftsfelder:
– Aktuelle Situation am Energiemarkt, absehbare mittel- bis langfristige Entwicklung auch im Hinblick auf globale Trends und Entwicklungen, Bewertung zur aktuellen strategischen Ausrichtung und ggf. Aufzeigen von Handlungsbedarf.
– Einschätzung des Marktes vor Ort: Entwicklung bei Preisen, Kundenverhalten, Technologie, Regulatorik, Personalsituation und Bewertung der Situation der BVB im Hinblick auf das aktuelle Marktumfeld.
– Erläuterung geplanter Maßnahmen und Investitionen der nächsten Jahre anhand des Wirtschaftsplans, daraus beabsichtigte wirtschaftliche oder sonstige Effekte und Auswirkungen sowie Risiken (chancen- und risikoorientierte Betrachtung der Maßnahmen).
2. Unterjährig (ebenfalls strukturiert nach Geschäftsfeldern):
– Reporting der aktuellen wirtschaftlichen Situation, Entwicklung von Aufwand, Ertrag und Vermögen.
-Entwicklung des Marktes und des Kundenverhaltens.
– Abgleich mit den Planzahlen, Abweichungsanalyse.
– Ggf. ergriffene Maßnahmen.
3. Risikomanagementsystem
– Bericht über die Ausgestaltung und Funktionsweise des innerbetrieblichen Risikomanagementsystems in einer der nächsten Ratssitzungen.
Die gesetzlich festgelegte Aufgabentrennung zwischen Geschäftsführung, Aufsichtsrat und als Vertreter des Gesellschafters sind bei der Berichterstattung ebenso zu beachten wie die notwendige Vertraulichkeit. Die aufgeführten Punkte sollen als Leitlinie für die Berichterstattung dienen.
Begründung: Die Aufgaben des Stadtrates liegen vor allem in der strukturellen und strategischen Steuerung der Blomberger Versorgungsbetriebe. Als Vertreter der Gesellschafterin muss er Entscheidungen treffen, die den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ebenso sicherstellen wie die Erfüllung der öffentlichen Daseinsvorsorge. Um diese Rolle wahrnehmen zu können, ist eine regelmäßige Berichterstattung der BVB gerade wesentlichen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten Grundvoraussetzung, um über alle Fakten und Entwicklungen informiert zu sein. Wir bitten um Beratung des Antrages und Beschlussfassung in den zuständigen Gremien.“
Wenn sich die beiden großen Blomberger Parteien, die gemeinsam immerhin fast dreiviertel der Bevölkerung vertreten, auf diese Weise mit einem Thema kritisch auseinander setzen, dann scheinen die Dinge nicht zufriedenstellend zu laufen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über hohe Energiepreise hält nun auch schon eine ganze Weile an, was natürlich nicht nur den örtlichen Versorger betrifft. Ein aktueller Preisvergleich zeigt: Die Blomberger Versorgungsbetriebe sind kein Billiganbieter, aber auch nicht überteuert. Statt zeitlich begrenzter Lockangebote gibt es dort stabile Preise, regionale Nähe und Service, sowie zu 100% Ökostrom. Wie dem Antrag der CDU zu entnehmen wurde in der letzten Ratssitzung des Jahres 2025 bekannt, dass die BVB das Betriebsergebnis 2024, statt wie geplant mit einer schwarzen Null, mit einem Minus von 1,6 Mio. € abschließt. Eine „Baustelle“, für die Michael Reiß, der offiziell erst zum 1.1.2025 als Geschäftsführer fungierte, nicht verantwortlich zeichnet.
Wie unserer Redaktion berichtet wurde, brannte in besagter Ratssitzung vom 19. März 2026 das Licht bis in die ersten Stunden des nächsten Tages. Ja, Sitzungen im Rathaussaal können sich durchaus mal in die Länge ziehen – doch so lange? Mit Blick auf die durchaus vielen Tagesordnungspunkte – mag sein, doch inhaltlich waren viele Themen dabei, die recht schnell abzuhandeln gewesen waren – auch inklusive derer, die im Nicht öffentlichen Teil aufgelistet waren. Es muss also einen anderen Grund für die Länge der Sitzung gegeben haben. Mit Blick auf das Impressum des örtlichen Energieversorgers taucht nun (am heutigen Tage festgestellt) ein neuer Geschäftsführer auf: Udo Arens.
Arens ist in Blomberg sicherlich kein Unbekannter und bei der Verwaltung ehemals zuständig für den Fachbereich Bürgerservice und Ordnung. Auch im Schützenwesen ist der ehemalige Presseoffizier und 2023 zum Major beförderte Arens schon seit Jahrzehnten aktiv. Nun trägt Udo Arens an anderer Stelle Verantwortung, als Geschäftsführer der Blomberger Versorgungsbetriebe und als Geschäftsführer der Blomberg Netz GmbH & Co. KG.
Unsere Redaktion fragte nach den Gründen und bekam vom Aufsichtsratsvorsitzenden Günther Borchard folgende Antwort: „Das Verfahren ist noch nicht ausdefiniert, daher bitte ich um Verständnis wenn es noch keine ausführliche Stellungnahme geben kann. Zu den Fakten gehört jedoch das die Entscheidung des Stadtrat betreffend keine Meinungs- und Interpretationsdifferenzen zwischen Aufsichtsrat und eben Stadtrat gibt. Udo Arens hat mit sofortiger Wirkung die Geschäftsführung übernommen, worüber ich sehr froh bin, die Firma muss handlungsfähig sein und das ist dadurch geschehen.“
Einschub: Die BVB sind kein Eigenbetrieb, der Geschäftsführer ist in vollem Umfang handlungsfähig, also nicht so eng gebunden wie die Betriebsleiter der Eigenbetriebe.
Auch von Bürgermeister Christoph Dolle konnten wir ein erstes Statement erhalten: „Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zwischen der Geschäftsführung und den Aufsichtsgremien hat man sich entschieden, zukünftig getrennte Wege zu gehen. Damit die kurzfristige, jederzeitige Handlungsfähigkeit des Unternehmens gewährleistet bleibt, ist Udo Arens bis zur Findung eines Nachfolgers als Interims-Geschäftsführer bestellt worden. Die Suche nach einem Nachfolger ist angestoßen.“
















