
Dem Dachdeckerhandwerk fehlt es an Material. (Foto: www.amh-online.de)
Materialmangel und Preisexplosion belasten Betriebe und Kunden – Dachdecker-Innung und Kreishandwerkerschaft klären auf
Das Dachdeckerhandwerk in der Region steht vor einer paradoxen Herausforderung: Trotz voller Auftragsbücher sorgen zunehmende Lieferengpässe und extreme Preissteigerungen für eine angespannte Lage. Die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe und die Dachdecker-Innung Lippe wenden sich nun gemeinsam an die Öffentlichkeit, um über die Hintergründe aufzuklären.
Leere Lager und „Hamsterkäufe“ bei Baustoffhändlern
„Die Situation auf dem Baustoffmarkt hat sich seit Anfang April drastisch verschärft. Rohstoffknappheit und instabile Lieferketten – unter anderem bedingt durch die geopolitische Lage an Knotenpunkten wie der Straße von Hormus – haben die Preise für essenzielle Materialien im Dachdeckerhandwerk um bis zu 30 Prozent in die Höhe getrieben“, informiert Andrea Hegerbekermeier, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Einer der Gründe seien auch hier die steigenden Rohölpreise, denn dieser Werkstoff ist in vielen Dämmmaterialien enthalten. „Diese Entwicklung war für unsere Betriebe zum Zeitpunkt der Abgabe von Angeboten an die Kunden vor wenigen Wochen noch nicht abzusehen“, so Hegerbekermeier. Viele blieben jetzt auf erheblichen Mehrkosten sitzen oder müssten in Absprache mit dem Kunden Preise anpassen.
Gleichzeitig lässt sich der benötigte Materialbedarf derzeit nicht annähernd decken. Viele Rohstoffe stehen nicht in der gewohnten Menge – oder überhaupt nicht – zur Verfügung. „Die Lager bei den Händlern sind weitgehend geräumt, obwohl die Nachfrage unverändert hoch ist“, betont Stefan Raabe, Obermeister der Dachdecker-Innung Lippe. „Sobald neues Material geliefert wird, ist es praktisch umgehend vergriffen. Die Situation erinnert an die Engpässe während der Corona-Zeit, fällt aktuell jedoch in ihrer Ausprägung teilweise noch gravierender aus. Wir erleben eine Art Hamsterkauf-Mentalität auf dem Markt, die das gesamte Gefüge durcheinanderbringt.“
Große Sorgen im „Sommerhandwerk“
Für die Betriebe ist die Lage herausfordernd. Während das Dachdeckerhandwerk traditionell ein Sommerberuf ist, droht nun ausgerechnet in der beginnenden Hochsaison ein Stillstand. Aufträge müssen verschoben werden, die gesamte Planung purzelt durcheinander, Kunden sind verärgert. Doch ohne die benötigten Materialien sind den Dachdeckern die Hände gebunden. Hegerbekermeier bringt es auf den Punkt: „Die Situation bereitet vielen Betriebsinhabern schlaflose Nächte. Wir haben derzeit weder Preis- noch Liefersicherheit.“
Auswirkungen für die Kunden: Geduld und Flexibilität gefragt
Die aktuelle Marktlage zwingt die Dachdeckerbetriebe zu Maßnahmen, die für die Kunden spürbare Folgen haben: Fest zugesagte Termine müssen verstärkt verschoben werden, da Lieferverzögerungen den gesamten Bauzeitenplan aushebeln. Angebote können derzeit oft nur mit Tagespreisen oder einer extrem kurzen Bindefrist abgegeben werden, Preise sind aktuell nicht vorhersehbar. In Einzelfällen müssen Betriebe von Verträgen zurücktreten oder neue Aufträge vorerst ablehnen, um nicht in eine unkalkulierbare Kostenfalle zu tappen.
Appell an die Auftraggeber
„Wir setzen alles daran, die Aufträge unserer Kunden zuverlässig zu bearbeiten“, erklärt Raabe. „Doch wenn die notwendigen Materialien fehlen, stoßen wir an klare Grenzen. Gerade jetzt sind wir in besonderem Maße auf Verständnis und Geduld seitens der Auftraggeber angewiesen. Umso wichtiger ist es uns, transparent zu informieren.“
Eine Entspannung der Lage wird erst erwartet, wenn die globalen Handelswege wieder zuverlässig funktionieren. Bis dahin setzen Innung und Kreishandwerkerschaft auf einen engen, transparenten Dialog zwischen Handwerkern, Lieferanten und Bauherren.
Pressemeldung: Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe















