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IHK Lippe mit Wirtschaftsgespräch in Oerlinghausen

von | Mai 17, 2026 | Wirtschaft

Wirtschaft in der Bergstadt. IHK-Vizepräsident Kai Vogelsänger, Geschäftsführer Alexander Hanning (Hanning & Kahl), Bürgermeister Peter Heepmann und Hinrich Schwarze (IHK Lippe) beim KWG in Oerlinghausen. Bildquelle: IHK Lippe

Wirtschaftsstandort „unter Spannung“

Die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Oerlinghausen stand im Mittelpunkt des jüngsten Kommunalen Wirtschaftsgesprächs (KWG) der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). Fast 30 Unternehmerinnen und Unternehmer kamen mit der Stadtverwaltung um Bürgermeister Peter Heepmann zusammen, um konkret über Oerlinghausen zu diskutieren. Im Jubiläumsjahr der 100-jährigen Stadtrechte standen Infrastruktur, Energie, Standortmarketing und die angespannte Haushaltslage im Fokus, mit klarer Botschaft der Wirtschaft: Das Standort-Bekenntnis gilt, doch es braucht einen verlässlichen Rahmen.

IHK-Vizepräsident Kai Vogelsänger unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs: „Mut zu zeigen, das ist Unternehmertum. Genau das erleben wir heute Abend: Unternehmerinnen und Unternehmer, die ins Gespräch kommen, um vor Ort etwas zu bewegen. Diesen konkreten, regionalen Austausch brauchen wir – nur so können wir als IHK wirksam wirtschaftliche Interessen vertreten und gemeinsam mit der Stadt Lösungen vorantreiben.“ Eindeutig war das Bekenntnis eines der größten Arbeitgeber der Stadt zum Standort. Alexander Hanning, Geschäftsführer bei Hanning & Kahl, dessen Unternehmen mit hohem Exportanteil seit vielen Jahren eng mit der Stadt verbunden ist, machte die Erwartungen der Wirtschaft deutlich: „Wir stehen zu Oerlinghausen – das ist keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen Unternehmen ihre Standortentscheidungen sorgfältig abwägen. Aber die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen müssen stimmen. Die Standortfaktoren stehen unter Spannung, und wir brauchen spürbare Verbesserungen, um den Wirtschaftsstandort zu erhalten und weiterzuentwickeln.“

Bürgermeister Heepmann zog eine ehrliche Bilanz zur Lage der Bergstadt und warb zugleich um Vertrauen. Die Haushaltssicherung setze klare rechtliche Grenzen: Ein Großteil der städtischen Ausgaben entfalle auf Pflichtaufgaben, der Spielraum für eigene Gestaltung sei entsprechend begrenzt. „Oerlinghausen ist eine Stadt im Wandel – die Welt wird schnelllebiger und vernetzter, und das spüren wir auch hier. Umso wichtiger ist es, dass Verwaltung und Wirtschaft einander zuhören und gemeinsam handeln“. Er versprach, für die Investitionsfähigkeit der Stadt einzutreten, was jedoch nur gelänge, wenn man den künftigen Haushalt kritisch prüfe und an mancher Stelle gemeinsam Abstriche aushalte. Hinrich Schwarze, IHK-Teamleiter und Moderator des KWGs sah den abendlichen Dialog als Bestätigung für den kontinuierlichen Austausch des seit 2009 in den 16 lippischen Kommunen stattfindenden Formats: „Oerlinghausen steht mitten in Transformationsprozessen, als IHK unterstützen wir das. Wir benötigen Dynamik, um den Standort trotz Spannungen zukunftsfest aufzustellen.“

Infrastruktur, Energie und Glasfaser: Konkrete Schritte nach vorne

Im Bereich Infrastruktur gab es sowohl Fortschritte zu vermelden als auch offene Fragen. Positiv aufgenommen wurde die Ankündigung des anstehenden Glasfaserausbaus, der im Herbst 2026 startet. Für 2027 ist zudem die Fertigstellung des Freibadumbaus geplant. Als strukturellen Standortvorteil hoben die Teilnehmenden die verkehrsgünstige Lage Oerlinghausens mit guter Anbindung an Oberzentren und die Autobahn hervor, hierzu zählt auch der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen. Ernüchternd hingegen sieht es beim Thema freier Gewerbeflächen aus. Obwohl es externe Anfragen gäbe, seien leider keine freien Gewerbeflächen verfügbar.

Beim Thema Energie machte die Unternehmerschaft ihren Bedarf unmissverständlich klar. Engpässe im Stromnetz bremsen den Ausbau von E-Mobilität und Photovoltaik – ein Problem, das nicht allein auf kommunaler Ebene (vor- und nachgelagerte Netzstrukturen) lösbar ist, aber dringend politisch adressiert werden muss. „Preis, Menge und Versorgungssicherheit beim Strom müssen gewährleistet sein – das ist für uns als Unternehmen nicht verhandelbar“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. Die kommunale Wärmeplanung wird bis Mitte 2028 abgeschlossen sein.

Sichtbarkeit und Steuern: Wirtschaft fordert Engagement – und faire Bedingungen

Ein lebhafter Austausch entspann sich rund um Standortmarketing und Kommunikation. Die Unternehmerschaft forderte mehr Investitionen in die Außenwirkung Oerlinghausens – und diskutierte mit Heepmann die Notwendigkeit einer aktiveren Kommunikation über soziale Medien. Regelmäßige Updates zu relevanten Stadtthemen seien ein kostengünstiger, aber wirkungsvoller Hebel, um Vertrauen zu stärken und Fehlinformationen vorzubeugen. Die Stärken des Marketingvereins und der Werbegemeinschaft wurden ebenso hervorgehoben wie das finanzielle Engagement der Unternehmerschaft, das als unverzichtbare Stütze des Stadtmarketings gilt. Die Kammer griff das Thema auf, es wird eine eigene Fokus-Veranstaltung dazu geben. Beim Thema Steuern und kommunale Finanzen war die Stimmung ernst. Unternehmerinnen und Unternehmer äußerten offen die Sorge, dass steigende Abgaben Betriebe zur Abwanderung bewegen könnten – eine Gefahr, der sich alle Anwesenden bewusst waren. Die IHK ordnete die Entwicklung als strukturelles Problem der Kommunalfinanzierung ein und bekräftigte, das Thema politisch weiter zu adressieren.

Pressemeldung: IHK

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