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IHK-Wirtschaftsdialog in der Nelkenstadt Blomberg

von | Sep. 18, 2026 | Blomberg, Wirtschaft

Im Dialog über Blomberg als Wirtschaftsstandort: Lars Henning Döhler (Stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Lippe), Christoph Dolle (Bürgermeister Blomberg), Volker Steinbach (IHK-Präsident), Waldemar Bichler (Wirtschaftsförderung Blomberg) und Hinrich Schwarze (Moderator, IHK Lippe)
Bildquelle: IHK Lippe

Zwischen engem Haushalt und großen Standortfragen

Im historischen Rathaussaal der Nelkenstadt Blomberg kam beim jüngsten Kommunalen Wirtschaftsgespräch (KWG) der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) die örtliche Wirtschaft mit Vertretern der Stadt Blomberg zusammen. Bürgermeister Christoph Dolle und Wirtschaftsförderer Waldemar Bichler diskutierten gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen am Standort. Im Mittelpunkt standen die kommunale Finanzlage, Infrastruktur und Energie, Fachkräftesicherung sowie die Entwicklung der Innenstadt.

IHK-Präsident Volker Steinbach machte zu Beginn deutlich, worum es bei den KWGs im Kern geht: „Es ist uns als IHK Lippe wichtig, vor Ort zu sein und unseren Mitgliedsunternehmen eine direkte Basis für den Dialog mit der örtlichen Verwaltung zu bieten. Gerade in herausfordernden Zeiten muss die Stimme der Wirtschaft gehört werden, denn die Unternehmen sind Teil der Lösungen in den Kommunen, nicht Teil des Problems“, so Steinbach. Bürgermeister Christoph Dolle zeichnete zu Beginn die Lage der Stadt. Der finanzielle Handlungsspielraum sei schmal, weshalb Blomberg in besonderem Maße auf eine florierende Wirtschaft angewiesen sei. „Wir müssen uns mit guten Standortfaktoren um unsere Unternehmen kümmern und für ihre Belange ein offenes Ohr haben“, betonte Dolle und verwies auf die Vielfalt der Blomberger Wirtschaft. Als eines der prägendsten Zukunftsthemen benannte er die Fachkräftesicherung, für die die Stadt in gute Schulen investiere.

Enger Haushalt trotz Sondervermögen
Der Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen seit 2023 hat einen tiefen Einschnitt in den städtischen Haushalt gebracht. Trotz stabiler Lage kämpfe Blomberg weiterhin um den Erhalt der eigenständigen Handlungsfähigkeit, also gegen Haushaltssicherungskonzepte. Bürgermeister Dolle zeigte sich so auch sichtlich stolz, dass die letzte Erhöhung der Gewerbesteuer 2017 stattfand. Da die kommunale Finanzierung in NRW in den vergangenen Jahren insgesamt jedoch schwieriger geworden sei, forderte Dolle von der Landesregierung eine Neustrukturierung der Kommunalfinanzen sowie eine Entlastung bei den stetig wachsenden Pflichtaufgaben und -ausgaben der Kommunen.

Aus dem Sondervermögen des Bundes erhält Blomberg gute 8 Millionen Euro, die je zur Hälfte in Investitionen und Schulen sowie in die Straßeninfrastruktur fließen sollen. Dies sei Geld, das dringend benötigt werde, um unter anderem den Investitionsstau aufzufangen. Auch beim Regionalplan sieht die Stadt dringenden Handlungsbedarf. Da dieser derzeit keine weiteren Flächen für neue Gewerbegebiete vorsieht, ist die Ansiedlung neuer Unternehmen deutlich erschwert. Blomberg steht hierzu auch im engen Austausch mit der IHK Lippe, um gemeinsam auf Nachbesserungen hinzuwirken.

Straßen, Energie und Breitband
Bei der Straßeninfrastruktur der Bundes- und Landesstraßen hat die Stadt nach eigener Aussage wenig „Mitspracherecht“. Eine Ortsumgehung in Cappeln werde wegen der Vielzahl an Akteuren und Bürokratie so noch lange auf sich warten lassen. In Istrup hingegen strebe man als Stadt eine zeitnahe Lösung in den nächsten drei bis vier Jahren an, wofür man gegenüber Straßen.NRW bereits in Vorleistung gegangen sei. Das ÖPNV-Angebot der KVG Lippe bleibt zwar in seinem Bestand gesichert, für einen Ausbau sieht die Blomberger Verwaltung aktuell keinen Spielraum.

Bei der Energieversorgung hingegen ist die Nelkenstadt über die eigenen Stadtwerke gut aufgestellt. Rat und Verwaltung bekräftigten ihr klares Bekenntnis zum weiteren Ausbau von Windkraft und Speicherkapazitäten, der sich nach Berechnung des Bürgermeisters bereits kurzfristig rentiere und finanziellen Spielraum für die Stadt schaffe. Beim Breitbandausbau übte Dolle Kritik am bisherigen Anbieter, bei dem es erhebliche Mängel und keinen zufriedenstellenden Ausbau gegeben habe. Da der Markt die Erschließung der weniger besiedelten Ortsteile nicht wirtschaftlich geregelt habe, laufe nun eine Neuausschreibung für die verbliebenen „weißen Flecken“.

Fachkräfte, Innenstadt und Gesundheitsversorgung
Aus der Unternehmerschaft kam der Wunsch nach neuen Austauschformaten. Dolle verwies auf die integrative Wirkung von Blomberg Marketing e.V. und stellte in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung weitere neue Formate in Aussicht. Kritisch diskutiert wurde der gewachsene Leerstand in der Blomberger Kerninnenstadt. Politik und Verwaltung seien sich des Problems bewusst, die größte Herausforderung liege jedoch bei den Eigentumsverhältnissen, da nicht alle Eigentümer:innen bereit seien, zu akzeptablen Preisen zu vermieten. Aktuell fehle es zudem an Förderprojekten zur Innenstadtbelebung. Die Wirtschaftsförderung baue aber initiativ Leerstandskataster auf, um Interessenten und Eigentümer:innen gezielter zusammenzubringen. Als weiteren wichtigen Standortfaktor benannte die Verwaltung die Gesundheitsversorgung. Die Stadt will aktiv Ärztinnen und Ärzte gewinnen und prüft dafür verschiedene Wege der Unterstützung, auch die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums steht im Raum.

Etabliertes Format mit Tradition
Moderator Hinrich Schwarze (IHK Lippe) ordnete den Abend zu Ende hin ein: „Blomberg zeigt, wie wichtig unternehmerischer Austausch für den eigenen Standort ist. Genau das ist einer der Kerne der KWGs, die wir als lippische Kammer seit 2009 in allen 16 lippischen Kommunen anbieten: den direkten, konkreten Dialog zwischen Wirtschaft und Verwaltung zu ermöglichen, damit aus Themen auch Lösungen werden.“

Pressemeldung: IHK

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