
Wirtschaft und Verwaltung im gemeinsamen Austausch für den Standort Lügde in neuen „Emmerhub“: Gregor Günnewich (Fachbereichsleitung Stadtentwicklung, Planen & Bauen der Stadt Lügde), Bürgermeister Torben Blome, Emmerhub-Geschäftsführerin Julia Herda, IHK-Präsident Volker Steinbach, Hinrich Schwarze (IHK Lippe, Moderator) und der Stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Henkel. Bildquelle: IHK Lippe
Den Auftakt der Kommunalen Wirtschaftsgespräche (KWGs) 2026 machte die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) in Lügde. Im modernen Ambiente des Co-Working-Space „Emmerhub“ kamen Unternehmerinnen und Unternehmer mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Politik um Bürgermeister Torben Blome zusammen, um konkret über die aktuellen Herausforderungen und Chancen des Wirtschaftsstandortes Lügde zu diskutieren. Im Fokus standen dabei Themen wie die Haushaltslage, Infrastrukturmaßnahmen, Fachkräftesicherung und die digitale Transformation.
IHK-Präsident Volker Steinbach betonte die Bedeutung dieses Formats, das turnusmäßig in jeder lippischen Kommune wiederkehrend stattfindet: „Es ist für uns als IHK elementar, eine Vor-Ort-Plattform in allen 16 lippischen Städten und Gemeinden zu bieten. Nur so behalten wir das direkte Gespür für die spezifischen Herausforderungen der heimischen Wirtschaft und können als wirksamer Vermittler wirtschaftlicher Interessen auftreten“, so Steinbach. Er nutzte den Abend zudem, um für das vielfältige IHK-Ehrenamt zu werben. Hinrich Schwarze, IHK-Teamleiter und Moderator des KWGs unterstrich die Notwendigkeit des steten Austauschs: „Lügde zeigt viel Eigeninitiative, um wirtschaftliche Transformationsprozesse anzugehen. Als IHK unterstützen wir das, wir benötigen Dynamik, um den Standort trotz schwieriger Rahmenbedingungen zukunftsfest aufzustellen.“
Gastgeberin Julia Herda, Geschäftsführerin des „Emmerhub“, berichtete von ihrem mutigen Schritt in die Selbstständigkeit. In den ehemaligen Räumen der Lügder Volksbank hat sie einen Ort für Arbeit, Netzwerk und Veranstaltungen geschaffen, der insbesondere Gründerinnen und Gründern den Einstieg erleichtert. „Die Chance, in meiner Heimat mit dem ‚Emmerhub‘ etwas Neues aufzubauen und gleichzeitig zur Belebung der Lügder Innenstadt beizutragen, musste ich einfach ergreifen“, erklärte Herda. „Unser Co-Working-Space beweist, dass moderne Arbeitswelten und innovative Konzepte auch in kleineren Städten hervorragend funktionieren können.“
Herausforderungen im Haushalt und Fokus auf Infrastruktur
Bürgermeister Torben Blome zog eine gemischte Bilanz zur Situation der Stadt, zeigte sich aber grundsätzlich positiv für die Zukunft gestimmt. Zwar habe man über Jahre ein solides Finanzpolster in Höhe von 16 Millionen als Ausgleichsrücklage aufgebaut, doch belasten in diesem Jahr stark sinkende Gewerbesteuereinnahmen und massiv steigende Kosten sowie Umlagen für andere politische Ebenen den kommunalen Haushalt fortlaufend. Dennoch setzt die Stadt auf Stabilität: Der Gewerbesteuer-Hebesatz bleibt das elfte Jahr in Folge unverändert.
„Wir verstehen uns grundsätzlich als Partner der Wirtschaft, nicht als Verhinderer. Deshalb ist es uns wichtig, trotz des Kostendrucks in diesem Jahr verlässliche Rahmenbedingungen zu bieten und nicht an der Steuerschraube zu drehen. Investitionen in den Standort bringen uns deutlich weiter“, betonte der Bürgermeister. Gleichzeitig forderte er Mut zur Eigenverantwortung: „Eine kleine Stadt kann nicht alle Probleme lösen. Wir brauchen eine enge Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen Verwaltung, Politik und Unternehmerschaft, um den Standort Lügde gemeinsam zum Erfolg zu führen – und diesen Zusammenhalt gibt es bei uns seit jeher.“
Auch beim Thema Infrastruktur gab es Licht und Schatten. Während der Breitbandausbau in der Kernstadt (nach FTTH-Standard) gut voranschreitet und in den Ortsteilen durch eine erfolgreiche Vorvermarktung weiter realistisch ist, bereitet die Mobilität Sorgen. Zwar ist Lügde durch den örtlichen Bahnanschluss überregional gut (beispielsweise an Paderborn, Altenbeken und Hannover) angebunden – ein echter Verkehrsvorteil – doch der Emmerauentunnel (Eigentümer Land NRW), erst gute 15 Jahre alt, sorgt vermehrt durch Instandsetzungsarbeiten und Sperrungen für Einschränkungen im Straßenverkehr.
Fachkräfte und Innovation
Weiteres zentrales Thema der Diskussion war der Fachkräftemangel infolge des demografischen Wandels. Hier punktet Lügde mit einer modernisierten Sekundarschule (die einen MINT-Schwerpunkt setzt) und örtlichen Projekten wie „Speeddatings“ oder „FitForJob“, die von heimischen Unternehmen und Stiftungen stark unterstützt werden. Zudem gäbe es mit sieben Angeboten ein starkes – und verlässliches – Kinderbetreuungsangebot. Das Plenum war sich aber auch einig, dass ein stärkeres, positives Standortmarketing entscheidend ist, um überregional Talente für Lügdes Wirtschaft zu gewinnen.
In Bezug auf die Gesundheitsversorgung in Lügde und Lippe appellierte Bürgermeister Blome an die unterschiedlichen Akteuere sich stärker einzubringen. Nur bei einer verlässlichen und qualitativ-hochwertigen Versorgung können die notwendigen Fach- und Arbeitskräfte für die Region gewonnen werden. Natürlich wurde die Künstliche Intelligenz als Megatrend thematisiert – sowohl als Transformationsprozess in der Arbeitswelt als auch als Chance für die Verwaltung, etwa durch KI-gestützte Haushaltsanalysen oder Chatbots auf der Website.
Pressemeldung: IHK Lippe
















