Jahresbilanz 2025
• Die eingetrübte Konjunktur belastet weiterhin den Arbeitsmarkt im Kreis Lippe.
• Das Bestreben der Arbeitgeber, ihre Fachkräfte zu halten, hat bislang eine noch höhere Arbeitslosigkeit verhindert
• Die Meldung neuer Arbeitsstellen bewegt sich auf niedrigem Niveau und liegt 2025 auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens zehn Jahren
• Trotz der schwachen konjunkturellen Situation setzt sich der zunehmende Mangel an Fachkräften fort und erschwert die Besetzung von Arbeitsstellen
• Transformation und demographische Entwicklung bleiben langfristig die weitaus größeren Herausforderungen für die Wirtschaft und damit auch für den Arbeitsmarkt
• Durch Aus- und Weiterbildung die Fachkräftebasis zu stärken und die Trans-formation zu unterstützen, war geschäftspolitischer Schwerpunkt in 2025
• Kurzarbeit hat geholfen Fachkräfte zu halten
Ausblick 2026
• Vor dem Hintergrund der verhaltenen Konjunkturprognosen ist auch in den kommenden Monaten nicht mit einer positiven Trendwende auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu rechnen. Selbst wenn es zu Belebungsimpulsen in der Wirtschaft kommen sollte, werden die Effekte auf dem Arbeitsmarkt erst mit Zeitverzögerung sichtbar.
• Um den Arbeitsmarkt kurzfristig und mittelfristig zu beleben, sind die Unter-nehmen dringend auf Wirtschaftswachstum angewiesen.
• Die Transformation der Wirtschaft und die demographische Entwicklung bleiben perspektivisch die größten Herausforderungen für die Wirtschaft und damit auch für den Arbeitsmarkt im Kreis Lippe.
• Qualifizierungen unterstützen Menschen im gesamten Erwerbsleben darin, eine dauerhafte, krisenfeste und erfüllende Beschäftigung auszuüben. Durch Aus- und Weiterbildung die Fachkräftebasis zu festigen und die Umstrukturierungen zu unterstützen sowie den Fachkräftebedarf zu decken, bleibt der geschäftspolitische Schwerpunkt der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn.
Jahresbilanz 2025 und Ausblick 2026
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 11.350 Menschen im Kreis Lippe arbeitslos und damit 1.026 Personen beziehungsweise 9,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Jahr 2025 ist zum Vorjahr von 5,5 Prozent um 0,6 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent gestiegen. Seit dem Tiefstand im Jahr 2022 – damals lag die Arbeitslosenquote bei 5,1 Prozent – hat sich die durchschnittliche Arbeitslosenquote bis heute um 1,0 Prozentpunkte erhöht.
Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich (SGB III) legte von 3.672 im Jahr 2024 um 347 Menschen beziehungsweise 9,5 Prozent auf 4.019 im Jahr 2025 zu. Im selben Zeitraum stieg die Arbeitslosenzahl im Bereich des Bürgergelds (Grundsicherung nach dem SGB II) von durchschnittlich 6.652 um 679 Menschen beziehungsweise 10,2 Prozent auf 7.331 Personen.
„Die hinlänglich thematisierte Konjunkturlage sorgt dafür, dass die Arbeitslosigkeit, ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau im Jahr 2022, das dritte Mal im Jahresdurchschnitt zunimmt. In der Konsequenz wird es für Arbeitslose und Arbeitsuchende schwieriger, eine neue, angemessene Stelle zu finden“, so die Kurzbilanz von Heinz hiele, Leiter der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn.
„Nichtsdestotrotz ist es mir wichtig zu betonen, dass es weiterhin zahlreiche gemeldete offene Stellen in unterschiedlichen Berufsfeldern gibt: Allein der Arbeitgeber-Service zählt für den Kreis Lippe derzeit 2.239 Vakanzen. Doch die Zurückhaltung bei den Neueinstellungen erschwert es vielen Arbeitslosen eine Beschäftigung aufzunehmen.“
Ein wichtiges, stabilisierendes Momentum ist die Tatsache, dass Unternehmen versuchen, eingearbeitete Mitarbeitende so gut es geht im Betrieb zu halten“, so Thiele. So ist ein noch höherer Anstieg der Arbeitslosigkeit vermieden worden.
Erfolgreich gewonnene Fachkräfte möglichst zu halten, und trotz angespannter Lage neue Fachkräfte für das eigene Unternehmen auszubilden, sei zwingend notwendig: „Aufgrund der demografischen Entwicklung wird das Erwerbspersonenpotential im Kreis Lippe in der Zukunft deutlich zurückgehen.“ Diese Entwicklung sei derart einschneidend, dass sie in der Wirtschaft zu Nachteilen führen könne. „Die demografische Delle wird Arbeitgebenden die Fachkräftegewinnung über Jahre hinweg erschweren“, betont der Agenturchef. „Qualifizierte Arbeitnehmende zu finden und zu binden, wird im Rahmen der zunehmenden Konkurrenz essentiell und zukünftig ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil sein. Um diese betriebswirtschaftlich notwendige Bindung von Fachkräften zu unterstützen, bietet die Agentur für Arbeit flankierend das Instrument der Kurzarbeit an.
Heinz Thiele: „Auch wenn die derzeitige Inanspruchnahme von Kurzarbeit nicht annähernd mit der Phase während der Pandemie vergleichbar ist, so ist doch die Nachfrage nach Kurzarbeit im Agenturbezirk Detmold-Paderborn vorhanden.
Mit der finanziellen Förderung der Qualifizierung von Beschäftigten steht seitens der Arbeitsagentur zudem ein wirksames Instrument zur Verfügung, die Unternehmen intensiv zu unterstützen“.
Sicherlich auch wegen anhaltender Fachkräfteengpässe ist die benötigte Dauer für die Besetzung freier Stellen, die sogenannte abgeschlossene Vakanz-Zeit, im Vorjahresvergleich gestiegen: Waren es 2024 noch 162 Tage, so sind es in 2025 169 Tage, ein Plus von 3,8 Prozent. Damit bewegt sich die Zahl der Vakanztage nach einer kurzzeitigen Verbesserung im Jahr 2024 wieder auf dem Niveau von 2023. „Dass das aktuell viel zu lange dauert, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Vor zehn Jahren waren es 64 Tage,“ so Thiele.
Ein geschäftspolitischer Schwerpunkt der Agentur für Arbeit wird auch weiterhin die Förderung der Aus- und Weiterbildung sowohl von Menschen in Arbeitslosigkeit als auch in Beschäftigung bleiben. „Stillstand im Lernen bedeutet heutzutage Rückschritt“, betont Thiele.
73,6 Prozent der gemeldeten Stellen im Bestand waren im Jahresschnitt für die Anforderungsniveaus Fachkräfte, Spezialist/-in und Experte vorgesehen. Hier besteht hoher Bedarf. Für Helferinnen und Helfer waren lediglich 26,4 Prozent der freien Stellen gemeldet. Die Halbwertzeit des Wissens und Könnens ist im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung eine ganz andere als noch vor Jahren.
„Dennoch, die Transformation ist eine Chance, die auch Arbeitsplätze schafft“, bekräftigt Thiele. „Wir müssen deshalb in Qualifizierungs-Ketten denken und handeln: die heutigen Helferinnen und Helfer sind idealerweise die Fachkräfte von morgen. Fachkräfte können sich zu Spezialisten entwickeln, und diese wiederum zu Experten. Da, wo es geht, bringt dieser Kreislauf den Arbeitsmarkt weiter – in 2026 und darüber hinaus.“
Ein Blick auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (SvB) im Kreis Lippe zeigt noch ein anderes Bild. So liegt die aktuelle SvB mit Stand März 2025 bei 124.513 Frauen und Männern. Im März 2020 (also unmittelbar vor der Pandemie) waren es 116.106 Personen.
Diese Steigerung zeigt, dass es immer noch möglich ist aus dem Erwerbspersonenpotential zusätzliche Beschäftigung zu ermöglichen. Dabei wird auch zunehmend auf Personengruppen zurückgegriffen die es vor Jahren schwerer hatten einen Arbeitsplatz zu finden. Es gibt noch viele Potentiale bei unterschiedlichen Personengruppen, „die nachhaltig gehoben werden können und müssen“, so der Arbeitsmarktexperte: „Dies sind junge Menschen gleichermaßen wie Ältere, inländische und ausländische Arbeitnehmende, Menschen mit Handicap, oder die ‚Stille Reserve‘.“
Die sogenannte Stille Reserve umfasst Personen ohne Arbeit, die zwar kurzfristig nicht für den Arbeitsmarkt verfügbar sind und momentan nicht aktiv nach Arbeit suchen, sich aber trotzdem Arbeit wünschen, seien es Menschen mit Betreuungspflichten oder Interessierte, die sich aktuell keine großen Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen.
Die Berufsberatung für Erwachsene steht der Stillen Reserve, aber auch jeder anderen Bürgerin und jedem anderen Bürger in Lippe beratend zur Seite – unabhängig davon, ob sie arbeitslos, beschäftigt oder selbstständig sind. Thieles Appell: „Kommen Sie mit ihrer Arbeitsagentur vor Ort ins Gespräch. Auch wenn berufliche Vorstellungen vage sind oder unerreichbar scheinen. Es kann Lösungen geben, die in gute Beschäftigung führen!“
Weitere Daten zum Arbeitsmarkt im Jahr 2025
Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen ist im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr von 3.542 Frauen und Männern um 376 Personen oder 10,6 Prozent auf 3.918 Personen gestiegen. Die altersspezifische Arbeitslosenquote hat sich im Jahresdurchschnitt von 5,1 Prozent im Jahr 2024 um 0,5 Prozentpunkte auf aktuell 5,6 Prozent erhöht.
Auch unter Langzeitarbeitslosen ist für 2025 ein Anstieg zu verzeichnen: So nahm die Anzahl dieser Personengruppe gegenüber dem Vorjahr im Jahresdurchschnitt um 436 Personen oder 9,6 Prozent auf 4.972 Frauen und Männer zu.
Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) ist im Jahresdurchschnitt 2025 im Vergleich zu 2024 von 1.095 Personen um 121 Personen oder 11,0 Prozent auf 1.215 Personen gestiegen – die altersspezifische Arbeitslosenquote steigt somit auf 5,8 Prozent.
Die Anzahl der ausländischen Arbeitslosen nahm im Jahresdurchschnitt zu: Von 2.882 Personen um 469 Personen oder 16,3 Prozent auf 3.350 Personen.
Der Zugang von Stellenmeldungen im Arbeitgeber-Service im Kreis Lippe ist gesunken: In Jahressumme wurden 2025 4.631 Stellen gemeldet, 1.022 oder 18,1 Prozent weniger als 2024. Die Zugänge haben 2024 damit 5.653 betragen.
Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 2.490 Stellen, das bedeutet zum Vorjahr einen Rückgang um 127 Stellen oder 4,9 Prozent.
Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn














