
Foto: NGG Tobias Seifert
Starker Sozialplan für 220 Brauerei-Beschäftigte in Herford und Paderborn – Trotzdem: Erste Kündigungen ab September
Nach dem Schock kommt jetzt das Auffangen: Für die Beschäftigten der Brauereien in Herford und Paderborn gibt es einen Sozialtarifvertrag. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Vorausgegangen waren „ebenso intensive wie harte Verhandlungen“ zwischen der NGG Nordrhein-Westfalen und der Haus-Cramer-Gruppe (Warsteiner Brauerei). Anfang Mai hatte diese die Schließung der Herforder Brauerei mit ihren knapp 100 Beschäftigten bekanntgegeben. Ebenso das Aus der Paderborner Brauerei, sollte deren Verkauf bis zum Jahresende nicht gelingen. In Paderborn sind nach Gewerkschaftsangaben rund 120 Brauereimitarbeiter betroffen.
Den Sozialplan stellte die Gewerkschaft am heutigen Mittwoch erstmals der Belegschaft der Herforder Brauerei vor. „Damit gibt es für die Beschäftigten jetzt finanziellen und sozialen Halt: Es ist gelungen, ein Auffangnetz zu spannen. Und das hat enge Maschen – für alle Beschäftigten“, sagt Mohamed Boudih. Der Landesvorsitzende der NGG Nordrhein-Westfalen spricht von einem „Sozialplan mit maximal möglichem Ergebnis“, der für die Beschäftigten in Herford und Paderborn herausgeholt worden sei.
Wichtigster Punkt dabei seien die Abfindungen: So soll es für jedes Beschäftigungsjahr – je nach Alter – zwischen der Hälfte und 70 Prozent eines Bruttolohns als Abfindung geben. Maximal jedoch 150.000 Euro. Außerdem bekommen Brauereimitarbeiter, die auf eine Kündigungsschutzklage verzichten, pro Beschäftigungsjahr zusätzlich 20 Prozent ihres Monatslohns, so die NGG. Außerdem sollen Beschäftigte pro Kind eine Einmalzahlung von 3.000 Euro erhalten.
Darüber hinaus bietet die Brauerei in Warstein aber auch eine Perspektive: „Dort werden 50 Arbeitsplätze angeboten. Wer den Wechsel aus Herford oder Paderborn nach Warstein nutzt, bekommt maximal 3.500 Euro der Umzugskosten erstattet. Für Pendler sind außerdem 35 Cent für jeden zusätzlich gefahrenen Kilometer drin“, sagt Mohamed Boudih. Bereits aufgelaufene Überstunden würden zu 90 Prozent ausgezahlt. Der Rest werde mit Freizeit ausgeglichen.
Die Herforder Brauerei soll, so die Pläne der Haus-Cramer-Gruppe, zwar bereits Ende August schließen. Kündigungen wird es nach Angaben der NGG allerdings frühestens im September geben. Sollte der Verkauf der Paderborner Brauerei scheitern, so würden dort frühestens im November erste Kündigungen verschickt. „Wer nach der Schließung länger beschäftigt bleibt, um Aufräumarbeiten zu machen, bekommt 1.000 Euro pro Monat zusätzlich zum regulären Lohn“, so NGG-Landeschef Mohamed Boudih.
Der Gewerkschafter spricht von einem „starken Sozialplan“. Der sei allerdings auch angemessen, da „die Beschäftigten keine Schuld an der wirtschaftlichen Situation haben, in der die Brauereien in Herford und Paderborn stecken“. Boudih sieht die Verantwortung dafür bei der Haus-Cramer-Gruppe: „Eine verfehlte Unternehmensstrategie und Fehlentscheidungen des Managements sind die entscheidenden Gründe, warum die meisten Brauereibeschäftigten in Herford und Paderborn jetzt in eine ungewisse Zukunft gehen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass Verantwortung, kluge Unternehmenspolitik und geschicktes Management möglichst bald wieder ‚Warsteiner Qualitätsmerkmale‘ werden. Dass Beschäftigte Angst um ihre Jobs haben und für Missmanagement bezahlen müssen, das darf es jedenfalls in Warstein nicht länger geben“, so Mohamed Boudih.
Wichtig für alle Beschäftigten in Warstein sei, dass die Brauerei ab 2029 in den Brauereiverband NRW eintreten werde. „Dann haben alle Warsteiner festen NRW-Tarifboden unter den Füßen. Das bedeutet: Es gibt keine Sonderverhandlungen und Extra-Regelungen mehr mit der Unternehmensleitung in Warstein. Sondern es gilt dann in der Warsteiner Brauerei das, was in anderen NRW-Brauereien auch gilt – beim Lohn, beim Urlaub, bei den Überstunden“, so Mohamed Boudih. Dafür habe sich die NGG gegenüber der Haus-Cramer-Gruppe stark gemacht.
Pressemeldung: NGG













