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Wenn Kunst nicht nur gesehen, sondern gefühlt wird

von | Mai 26, 2026 | Events & Kultur

Beim Inklusionsfest in Detmold wurden die farbenfrohen und fühlbaren Kunstwerke aus dem Malworkshop des Lippischen Blinden- und Sehbehindertenvereins e.V. präsentiert. Auch Lippes Landrat Meinolf Haase besuchte den Stand.

Blinde und sehbehinderte Menschen aus Detmold schaffen gemeinsam mit dem Lemgoer Künstler Antonio Ugia farbenfrohe Unikate

Kunst muss man nicht immer sehen können, um sie zu erleben. Genau das zeigte ein besonderes Malprojekt beim Lippischen Blinden- und Sehbehindertenverein e.V. in Detmold-Heidenoldendorf. Acht blinde und sehbehinderte junge Menschen arbeiteten dort gemeinsam mit dem Lemgoer Künstler Antonio Ugia an farbenfrohen, abstrakten und fühlbaren Kunstwerken.

Entstanden sind mehr als 30 ganz unterschiedliche Unikate auf verschiedenen Materialien. Gemalt wurde nicht nur mit Pinseln, sondern auch mit Fingern, Schwämmen, Strukturen und viel Gefühl. Für die Teilnehmenden bedeutete der Workshop weit mehr als kreatives Arbeiten. Es ging um Selbstvertrauen, Teilhabe, Ausdruckskraft und die Erfahrung, mit den eigenen Möglichkeiten etwas Besonderes zu schaffen.

Der Malworkshop begann im Februar 2026 und wurde Mitte April abgeschlossen. Die Teilnehmenden waren zwischen Anfang 20 und 39 Jahre alt. Trotz ihrer Sehbehinderung entstanden ausdrucksstarke Werke, die durch Farben, Formen und fühlbare Oberflächen beeindrucken.

Eine wichtige Rolle spielte dabei der Künstler Antonio Ugia aus Lemgo. Er engagiert sich mit großem persönlichen Einsatz, viel Zeit, Herz und Seele für das Projekt. Ihm geht es nicht nur darum, Kunst zu vermitteln. Er möchte Menschen ermutigen, sich kreativ auszudrücken und ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Mit seiner offenen und wertschätzenden Art baute er eine besondere Verbindung zu den Teilnehmenden auf.

Die Zusammenarbeit entstand nach einer Begegnung auf dem Detmolder Inklusionsfest im vergangenen Jahr. Dort kam Torben Asmus vom Vorstand des Lippischen Blinden- und Sehbehindertenvereins mit Antonio Ugia ins Gespräch. Aus dieser Begegnung entwickelte sich ein Kunstprojekt, das nun weitergeführt werden soll.

Auch Torben Asmus zeigte sich von den Ergebnissen begeistert. Im Mittelpunkt stehe beim Verein immer der Mensch mit seinen Wünschen, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Genau das sei in diesem Projekt sichtbar geworden.

Unterstützt wurde das Projekt außerdem von Temukisa Grundhöfer vom Lippischen Blinden- und Sehbehindertenverein. Mit viel Engagement, Empathie und Organisationstalent begleitete sie die Zusammenarbeit zwischen Künstler, Teilnehmenden und Einrichtung.

Auch die Karla Wagner Stiftung aus Gütersloh wurde auf das Projekt aufmerksam. Christian Schröter zeigte sich beeindruckt von den entstandenen Arbeiten und entschied sich, das Projekt mit Leinwänden und Farben zu unterstützen. Dadurch soll bald eine weitere Gruppe von acht blinden und sehbehinderten Menschen an einem solchen Malworkshop teilnehmen können.
Um die Fortsetzung des Projektes zu ermöglichen, hat Antonio Ugia zusätzlich eigene kleine Kunstwerke geschaffen. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Werke fließt vollständig in weitere Malworkshops und direkt in die Arbeit der Einrichtung. So soll das soziale und künstlerische Projekt nachhaltig weitergeführt werden.

Ein Teil der entstandenen Werke wurde am 25. April beim Inklusionsfest auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold ausgestellt. Dort konnten Besucherinnen und Besucher die Kunstwerke betrachten, fühlen und erwerben. Auch Antonio Ugia sowie zwei Teilnehmende des ersten Workshops waren persönlich vor Ort und informierten über ihre Arbeit.

Beim Rundgang über das Fest besuchte auch Lippes Landrat Meinolf Haase gemeinsam mit Monika Heel, der Inklusionsbeauftragten des Kreises Lippe, den Stand des Vereins. Es entstand ein gemeinsames Gruppenfoto. Das Inklusionsfest wurde damit zu einem Ort der Begegnung, des Austausches und des Miteinanders.

Zum Projekt gehörte auch ein gemeinsamer Ausflug nach Lemgo. Trotz Regenwetters besuchte die Gruppe das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, aß gemeinsam Pizza und schaute im Atelier von Antonio Ugia in der Echternstraße vorbei. Auch dieser Tag zeigte, wie wichtig gemeinsame Erlebnisse für echte Teilhabe sind.

Der Lippische Blinden- und Sehbehindertenverein e.V. setzt sich seit 100 Jahren für blinde und sehbehinderte Menschen in Lippe ein. Im September wird dieses Jubiläum gefeiert. Das Kunstprojekt zeigt auf besondere Weise, was Inklusion bedeuten kann: Menschen nicht nur einzubeziehen, sondern ihnen Raum zu geben, sichtbar zu werden – mit ihren Ideen, ihrer Kreativität und ihrer Persönlichkeit.

Bericht/Foto: Andreas Leber
Website: www.Handmadepixel.site

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