
Gruppe Leopoldstaler mit Revierförster Torsten Bleier (l.). Foto: LVL
Wanderung mit dem Förster in Leopoldstal (Stadt Horn-Bad Meinberg) kam hervorragend an
Was in den Wäldern vor ihrer Haustür passiert, warum welche Arbeiten wann und wie ausgeführt werden – das interessiert viele Lipperinnen und Lipper. Die Förster des Landesverbandes sind auf Nachfrage gern bereit, im Rahmen von Wanderungen Fragen zu beantworten und den fachlichen Hintergrund vorzustellen. So auch in Leopoldstal: Auf Einladung des Heimatvereins nahmen rund 20 Bürgerinnen und Bürger, darunter auch Horn-Bad Meinbergs Bürgermeister Michael Ruttner, vergangene Woche an einer “Försterwanderung” mit Torsten Bleier, Leiter des Forstreviers Belle, und Christopher Kroos, stellv. Leiter der Forstabteilung des Landesverbandes Lippe, teil.
Zum Start des Rundgangs erläuterte Bleier die aktuellen Maßnahmen am gegenüberliegenden Hang in Richtung Heesten: “Die von unseren Vorgängern dort gepflanzten Eschen waren am Eschentriebsterben erkrankt, eine gefährliche Pilzerkrankung, die vor einigen Jahren aus Ostasien eingeschleppt wurde und deutschlandweit Eschen schädigt.” Die geschwächten Bäume wurden in der Folge von einem weiteren Pilz, dem Hallimasch, befallen – er frisst die Wurzel komplett auf und lässt die Stämme zusammenbrechen –, deshalb mussten Bleier und sein Team handeln: “Weil die wenigen gesunden Bäume nach der Entnahme der Eschen starker Sonneneinstrahlung, Wind und Stürmen ausgesetzt und so ebenfalls gefährdet gewesen wären, haben wir die komplette Fläche geräumt – in Abstimmung mit der Forst- und Unteren Landschaftsbehörde, denn Kahlschläge bedürfen in Deutschland der Genehmigung”, so Bleier.
Das Areal wird zum Schutz gegen Schalenwild in zwei Gatter geteilt und mit standortgerechten Bäumen bepflanzt. “Wir möchten Roteschen pflanzen, die gegen das Eschentriebsterben resistent sind, sowie Stieleichen, Roteichen und Hickory – abhängig davon, ob diese Arten so verfügbar sind. An den Rändern planen wir mit Linden, Elsbeeren und Kirschen besonders üppig blühende Baumarten, die wichtig sind für Insekten und den Leopoldstalern im Frühjahr einen schönen Anblick bieten werden.”
Im Verlauf der Wanderung erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass der Landesverband in diesem Jahr 16.000 Bäume in Leopoldstal gepflanzt hat. Die jungen Pflanzen werden in lockeren Trupps gesetzt, dazwischen haben Bäume, die sich natürlich verjüngen, ebenfalls eine Chance. Pro Areal werden 5-6 Baumarten in den Boden gebracht, “damit wir einen vielfältigen Wald heranziehen. Wenn dann eine Baumart aufgrund der Folgen des Klimawandels ausfällt, verbleiben die anderen, die Fläche würde nicht kahl fallen”, so Kroos. Auf einen Hektar pflanzt der Landesverband 1.000 bis 6.000 Bäume – abhängig von Baumart sowie Standort- und Wetterbedingungen. “Unsere Baumart-Auswahl deckt sich oft mit den Empfehlungen von Naturschutzverbänden”, hat Bleier beobachtet. Denn Ziel der Förster wie des Naturschutzes sei, möglichst viel Wasser im Wald zu halten.
Die Frage, ob ein alter Wald nicht besonders viel CO2 speichere, verneinte Kroos: “Alte Bäume, die absterben und zerfallen, geben das CO2, das sie gespeichert haben, wieder an die Umwelt ab. Junge, aufwachsende Wälder speichern das meiste CO2. Deshalb forsten wir die Kahlflächen, die durch die Dürren der letzten Jahre entstanden sind, konsequent wieder auf. Wir pflanzen aber auch, weil es unser Wunsch ist, den nachfolgenden Generationen grüne Wälder zu hinterlassen. Wie sie diese Wälder nutzen, ist dann ihre Entscheidung.”
Auch Fragen zur Holzernte, zum Wildbestand, zur Verkehrssicherungspflicht und zur Technik beantworteten Bleier und Kroos. “Der Einsatz von Harvestern ist auch aktiver Arbeitsschutz für unsere Forstwirte bzw. die Mitarbeiter von Forstunternehmen. Mit besonders breiten Bändern ausgestattet, verdichten die Raupenfahrzeuge den Boden nicht so stark wie ältere Modelle.” Rückegassen gibt es in den Landesverbands-Wäldern nur alle 40 Meter: “Das bedeutet für uns einen Mehraufwand im Vergleich zu den üblichen 20 Metern, aber dieser Mehraufwand ist es uns wert, um Boden und Wald so weit wie möglich zu schonen”, betonte Kroos. Und auch in den Rückegassen findet sich Leben: “Wanderer stören sich oft an diesen Rillen, doch in ihnen kann sich z. B. Wasser stauen, so entsteht wertvoller Lebensraum für die Gelbbauchunke”, weiß Bleier.
Nach zwei Stunden bedankten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich bei den beiden Förstern, sie hatten viel Wissenswertes rund um das Thema Wald erfahren. Auch Bürgermeister Michael Ruttner war von der Fülle der Informationen beeindruckt: “Die Veranstaltung hat anschaulich vermittelt, wie vielfältig und anspruchsvoll die Arbeit der Forstabteilung des Landesverbandes ist. Durch den direkten Austausch vor Ort wurde deutlich, welchen Beitrag die Wälder als hochwertige Naherholungsgebiete leisten und zugleich als wichtige Grundlage für die regionale Holzwirtschaft dienen. Das Format der ‘Försterwanderung’ ist ein gelungenes Beispiel für eine moderne, bürgernahe Kommunikation.”
Pressemeldung: LVL















