Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Lippe
Heinz Thiele, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn, erläutert die aktuelle Situation folgendermaßen:
„Die Arbeitsmarktentwicklung wird seit Jahren durch die verschiedensten Krisen, angefangen mit der Flüchtlingskrise und der Corona-Epidemie über den Ukraine-Krieg bis hin zu den Zollstreitigkeiten und dem Nahost-Konflikt, beeinflusst. Insbesondere die damit verbundenen Energieprobleme, Materialengpässe, Exportschwierigkeiten sowie die Kostensteigerungen haben dazu geführt, dass die Konjunktur schwach geblieben ist und keine durchgreifenden Impulse für den Arbeitsmarkt entstanden sind.
Die Konjunkturentwicklung bleibt schwach und hinterlässt am Arbeitsmarkt erkennbare Spuren.
Trotzdem darf der zunehmende Fachkräftebedarf aufgrund der demografischen Entwicklung nicht aus den Augen verloren werden. Unabhängig von der seit Jahren schwachen Konjunktur ist dies mit die größte Herausforderung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt der kommenden Jahre. Viele Beschäftigte der geburtenstarken Jahrgänge gehen erst noch in den Ruhestand.
In diesem Zusammenhang ist das Verhalten der Arbeitgeber – trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen Fachkräfte möglichst zu halten – positiv zu bewerten. Negativ ist allerdings die Strategie an der Ausbildung zu sparen. Wirtschaftlich sicherlich nachvollziehbar aber langfristig das falsche Vorgehen, da es in wenigen Jahren ein Wettbewerbsvorteil sein wird, über genügend Fachkräfte zu verfügen.
Unternehmen befinden sich in einem großen Zwiespalt. Aufgrund des Fachkräftemangels muss gut eingearbeitetes Personal unbedingt gehalten und mit Blick auf die Zukunft sogar aufgestockt werden, jedoch fallen Investitionen in Personalkosten und somit Neueinstellungen in diesen Zeiten schwer.“
Die allgemeine Unsicherheit schlägt sich auch in der Zahl der Arbeitslosen nieder. So steigt diese im Kreis Lippe im April auf 12.186 Personen. Dies sind zum Vormonat 103 Personen (+0,9 Prozent) und im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sogar 1.123 Personen (+10,2 Prozent) mehr.
Arbeitslosigkeit
Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Lippe steigt im April 2026. Insgesamt waren 12.186 Personen arbeitslos. Dies sind zum Vormonat 103 Personen mehr (+0,9 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 1.123 Personen (+10,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt im April 6,5 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 5,9 Prozent (-0,6 Prozentpunkte).
Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung (SGB III)
In der Arbeitslosenversicherung sind in diesem Monat 4.650 Personen gemeldet. Dies sind 35 Personen mehr als vor einem Monat (+0,8 Prozent). Zum selben Monat des Vorjahres steigt die Zahl um 772 Personen (+19,9 Prozent).
Entwicklung im Bürgergeld (SGB II)
Bürgergeld erhalten 68 Arbeitslose mehr als im Vormonat (+0,9 Prozent) und 351 mehr als im Vorjahr (+4,9 Prozent). Insgesamt zählen 7.536 Personen und damit 61,8 Prozent aller Arbeitslosen zum Bürgergeld gemäß SGB II.
Jugendarbeitslosigkeit
1.273 Arbeitslose sind im April 2026 im Kreis Lippe unter 25 Jahre alt. Dies sind 18 Personen weniger als im Vormonat (-1,4 Prozent). Zum selben Monat des Vorjahres sind 115 junge Menschen mehr arbeitslos (+9,9 Prozent).
Arbeitslose ab 50 Jahre
Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre sinkt zum Vormonat um 13 Personen (-0,3 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 458 Arbeitslose mehr (+12,1 Prozent). Insgesamt sind 4.240 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Lippe arbeitslos.
Langzeitarbeitslose
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Kreis Lippe steigt um 66 Personen (+1,3 Prozent). 5.303 Personen sind länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 92,1 Prozent (4.882 Personen) zum Bürgergeld. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 464 Personen (+9,6 Prozent).
Unterbeschäftigung
Die Unterbeschäftigung im Kreis Lippe sinkt im April 2026. Insgesamt sind 16.876 Personen ohne Beschäftigung. Dies sind zum Vormonat 66 Personen weniger (-0,4 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sinkt die Unterbeschäftigung um 176 Personen (-1,0 Prozent). Die Unterbeschäftigung setzt sich zusammen aus der Anzahl der Menschen, die arbeitslos gemeldet sind, und denjenigen, die Arbeitslosengeld oder Bürgergeld erhalten, dem Arbeitsmarkt jedoch aktuell nicht zur Verfügung stehen und daher rechtlich nicht als arbeitslos gelten – wenn man zum Beispiel an einer Fördermaßnahme teilnimmt oder in Mutterschutz ist.
Stellenangebot
Die Arbeitgeber aus dem Kreis Lippe haben in diesem Monat 503 Stellen gemeldet und damit 83 weniger als im Vormonat (-14,2 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres steigt die Anzahl der neuen Stellenmeldungen um 91 Stellen (+22,1 Prozent). Im Bestand befinden sich insgesamt 2.431 offene Stellen, 16 mehr als vor einem Monat (+0,7 Prozent) und 184 weniger als vor einem Jahr (-7,0 Prozent).
Ausbildungsmarkt
Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2025 meldeten sich 2.040 Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Zugleich gab es 1.682 Meldungen für Berufsausbildungsstellen. Ende April waren 902 Bewerber noch unversorgt und 988 Ausbildungsstellen noch unbesetzt.
Pressemeldung der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn
















