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145 Todesfälle in den letzten drei Jahren in Nordrhein-Westfalen: Ärztekammer warnt vor Badeunfällen bei Hitze
An heißen Sommertagen suchen viele Menschen Abkühlung in Flüssen, Seen oder Kanälen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) warnt eindringlich davor, die Gefahren dieser Gewässer zu unterschätzen. Gerade bei großer Hitze kann der Sprung ins kalte Wasser lebensgefährlich werden. Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe, Erschöpfung, Strömungen, Schiffsverkehr, schlechte Sicht, steile Ufer und fehlende Aufsicht können binnen Sekunden zu einer Notlage führen. In Nordrhein-Westfalen gab es laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft in den letzten drei Jahren insgesamt 145 Todesfälle in unbewachten und ungesicherten Binnengewässern: 47 im Jahr 2023, 54 im Jahr 2024 und 44 im letzten Jahr.
„Wer stark erhitzt ins Wasser springt, setzt seinen Körper einem erheblichen Kältereiz aus. Das kann zu Kreislaufversagen, Panikreaktionen oder Bewusstlosigkeit führen. Im Wasser bleibt dafür kaum Zeit“, erklärt ÄKWL-Präsident Dr. Hans-Albert Gehle. „Besonders gefährlich ist das Baden in Flüssen, Kanälen und unbewachten Seen. Dort ist medizinische Hilfe oft nicht unmittelbar verfügbar.“
Die Ärztekammer mahnt insbesondere Eltern, Kinder und Jugendliche im Blick zu behalten. Viele junge Menschen überschätzten ihre Fähigkeiten im Wasser. Zugleich können immer mehr Kinder nicht sicher schwimmen, kritisiert die Kammer. Ursachen dafür seien unter anderem fehlende oder geschlossene Schwimmbäder, sanierungsbedürftige Wasserflächen, ausfallender Schwimmunterricht und fehlende Angebote in Schulen und Sportvereinen. „Schwimmen zu können ist keine Freizeitfrage, sondern eine Frage der Gesundheit und Sicherheit“, betont Gehle. „Jedes Kind sollte frühzeitig sicher schwimmen lernen. Dafür brauchen Schulen, Kommunen und Vereine aber auch verlässliche Schwimmzeiten und erreichbare Bäder.“
Bei Hitze kommen laut Ärztekammer zusätzliche Risiken hinzu: Der Körper ist durch hohe Temperaturen, Flüssigkeitsverlust und Sonneneinstrahlung bereits belastet. Alkohol, Drogen oder riskantes Verhalten erhöhen die Gefahr weiter. Wer dann in unbekannte Gewässer springe, riskiere schwere Verletzungen durch Untiefen, gefährliche Gegenstände im Wasser oder plötzliche Tiefenwechsel, so Gehle. In Flüssen und Kanälen können Strömungen, Sogwirkungen, Schiffsverkehr und steile Ufer das Herauskommen erschweren oder unmöglich machen.
Auch die Wasserqualität kann bei hohen Temperaturen problematisch werden und laut Gehle zu Gesundheitsgefährdungen führen: „In stehenden Gewässern können sich Blaualgen vermehren oder es kommt zu steigenden Keimbelastungen, die Hautreizungen, Übelkeit, Durchfall oder andere Beschwerden auslösen.“
Die Ärztekammer rät deshalb, nur an bewachten Badestellen zu baden und niemals überhitzt ins Wasser zu springen, sondern den Körper langsam abzukühlen. Kinder sollten am und im Wasser nie unbeaufsichtigt gelassen werden. Zudem sollten Flüsse, Kanäle, Wehre, Brückenbereiche und Schifffahrtswege gemieden und Warnhinweise, Badeverbote sowie Hinweise der Kommunen unbedingt beachtet werden.
Kammerpräsident Gehle: „Im Notfall sofort den Notruf 112 wählen und Hilfe holen, ohne sich selbst zu gefährden. Baden soll Freude machen und gesund sein. Dafür braucht es aber Vorsicht, Aufsicht und Schwimmfähigkeit. Wir appellieren an Familien, Schulen, Kommunen und Politik: Schwimmenlernen muss wieder zuverlässig möglich sein. Wer Bäder schließt und Schwimmunterricht ausfallen lässt, nimmt Kindern eine wichtige Lebenskompetenz.“
Pressemeldung: Die Ärztekammer Westfalen-Lippe
















