
Vermittlerin Renate Wulf
Von der ungelernten Reinigungskraft zur gefragten Physiotherapeutin
Als Izabella Tise-Stercere und ihr Mann sich im Jahr 2018 entschieden, mit ihren zwei Kindern Lettland zu verlassen, um sich in Deutschland eine neue Zukunft aufzubauen, ahnten sie noch nicht, dass sie es beruflich in Deutschland soweit bringen würden. Was folgt zeigt, was mit der richtigen Unterstützung und viel Ehrgeiz alles möglich ist.
„In Lettland kann man gerade so von seinem Geld leben, wenn man arbeitet. Für unsere Kinder wollten wir eine bessere Zukunft“, erzählt die heute 33-Jährige. Ihr Mann suchte sich also zunächst eine Arbeit in Deutschland, wo schon ein Onkel lebte, organisierte dann eine Wohnung für seine Frau und die zwei Kinder – und diese folgten ihm nach Deutschland. Izabella Tise-Stercere sprach zu diesem Zeitpunkt kein Wort Deutsch und fing zunächst bei einer Reinigungsfirma an, später arbeitete sie in Vollzeit in der Gastronomie. Hier brachte sie sich selbst die ersten Grundlagen der deutschen Sprache bei und machte ihren Führerschein.
Im Jahr 2020 entschied sich ihr Mann mit Unterstützung der Agentur für Arbeit für eine zweijährige Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration. Dieser berufliche Schritt eröffnete ihm neue Perspektiven und ermöglichte ihm später eine Tätigkeit, bei der er unter anderem flexibel im Homeoffice arbeiten konnte. Dadurch kann er seine Frau sowohl im Familienalltag als auch während ihrer heutigen Ausbildung stärker unterstützen. Nach der Geburt des dritten Kindes entschied die mittlerweile dreifache Mutter, dass auch sie ihre berufliche Zukunft neu gestalten wollte. „Die Arbeit in der Gastronomie hat mir zwar gefallen, jedoch war sie nicht mit unserem Familienleben vereinbar. Mein Mann hat tagsüber gearbeitet, ich bis spät abends. Teilweise haben die Schichten länger gedauert und dann ging es direkt mit der Frühschicht weiter. Ich habe meine Kinder kaum gesehen, konnte nicht mit ihnen spielen oder sie ins Bett bringen“, berichtet Tise-Stercere.
Für sie stand deshalb fest, dass sie beruflich etwas verändern wollte und sie beschloss ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen: „Ich habe mich zunächst gefragt, was ich eigentlich machen möchte. Wichtig war es für mich, einen Beruf zu finden, der zu unserem Familienleben passt, in dem ich später sicher Arbeit finde und mich auch stetig weiterentwickeln kann. Das wollte ich gut durchdenken, da ich ja keine zwanzig mehr bin.“
Da sie durch die Umschulung ihres Mannes schon wusste, dass sie sich an die Agentur für Arbeit wenden kann, vereinbarte sie online einen Termin und besprach diese Gedanken mit ihrer Beraterin Renate Wulf. Sie ist Berufsberaterin für Erwachsene und kümmert sich um berufliche Weiterbildungen und Neuorientierungen.
„Frau Tise-Stercere war fest entschlossen, Physiotherapeutin zu werden. In genau solchen Situationen hilft die Berufsberatung für Erwachsene und berät zu den beruflichen Perspektiven am Arbeitsmarkt sowie den Weiterbildungs- und Förderungsmöglichkeiten. , In der Physiotherapie sind Fachkräfte gefragt, sodass eine Förderung möglich ist, wenn die persönlichen Voraussetzungen dafür stimmen. Außerdem gab es kürzlich eine Gesetzesänderung, mit der nun auch dreijährige Ausbildungen gefördert werden können. Nachdem Frau Tise-Stercere sich für ihre Ausbildung die Schulen Dr. Rohrbach Kassel ausgesucht hatte und auch den psychologischen Eignungstest gemeistert hat, konnten wir ihr einen Bildungsgutschein ausstellen und sie finanziell durch das sogenannte ALG-W (Arbeitslosengeld bei Weiterbildung) unterstützen“, erinnert sich die Beraterin.
Die fleißige Auszubildende hat im Rahmen der Ausbildung bereits die ersten Hospitationstage in der Praxis mitgemacht und fiebert auf die praktische Ausbildung am Patienten im vierten und sechsten Semester hin.
Auch mit ihrer Entscheidung für die Dr. Rohrbachschule in Kassel ist sie heute sehr zufrieden. Besonders schätzt sie die Unterstützung, die sie während ihrer Ausbildung dort erfährt. „Ich fühle mich an der Schule sehr gut aufgehoben. Die Lehrkräfte unterstützen uns während der gesamten Ausbildung und stehen uns bei Fragen oder Schwierigkeiten zur Seite, berichtet Tise-Stercere.
„Mit viel Engagement, Motivation und einem klaren Ziel vor Augen arbeitet die Schülerin an ihrem Traum, Physiotherapeutin zu werden. Dabei wird sie von der Schule Dr. Rohrbach Kassel und dem gesamten Dozententeam bestmöglich begleitet und unterstützt. Es ist uns eine große Freude sie bei Ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung begleiten zu können“, sagt Lusann Liebergesell, Schulleiterin Fachbereich Physiotherapie.
„Der praktische Teil gefällt mir, da ich das Erlernte anwenden kann. Diese Erfahrung spornt mich an. Dass ich jetzt über meine Geschichte erzählen darf motiviert mich umso mehr, die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren und auch anderen Menschen Mut zu machen, einen beruflichen Neuanfang zu wagen“, betont die ehrgeizige Frau und freut sich auf die kommende Ausbildungszeit.
Das Angebot der Berufsberatung im Erwerbsleben richtet sich an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Wiedereinsteigende, die sich bereits im oder am Übergang ins Erwerbsleben befinden und an einem Punkt angekommen sind, an dem Sie eine Beratung zur beruflichen Orientierung benötigen.
Information rund um diese Themen finden Sie unter: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/detmold-paderborn/beruflichezukunft
Pressemeldung der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn
















