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ÄKWL fordert Widerspruchslösung: „Ohne Reform bleiben wir im Weiter so stecken“

von | Juni 5, 2026 | Kunterbunt, Politik

Foto: pixabay

Tag der Organspende

Organspende ist für viele Menschen keine abstrakte gesellschaftliche Debatte, sondern eine Frage von Lebenszeit. Anlässlich des Tags der Organspende am 6. und 7. Juni 2026 macht die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) deutlich: Deutschland braucht mehr Verbindlichkeit, mehr Klarheit und den politischen Mut zur Widerspruchslösung.

„In Deutschland warten weiterhin über 8.000 schwerstkranke Menschen auf ein rettendes Organ, allein in Nordrhein-Westfalen sind es rund 1.800“, erklären Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, und Prof. Dr. Theodor Windhorst, Transplantationsbeauftragter der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Diese Zahlen dürfen uns nicht zur Tagesordnung übergehen lassen. Wer Organspende ernst nimmt, muss jetzt die strukturellen Voraussetzungen verbessern.“

Die Entwicklung der postmortalen Organspende in Nordrhein-Westfalen war in den vergangenen Jahren von Schwankungen geprägt. Nach einem vergleichsweise hohen Niveau im Jahr 2021 folgte 2022 ein deutlicher Rückgang. In den Jahren 2023 und 2024 blieb die Zahl der realisierten Organspenderinnen und Organspender weitgehend stabil auf niedrigerem Niveau. Für 2025 zeichnete sich wieder eine Erholung ab, im Zeitraum Januar bis April 2026 stieg die Zahl der postmortalen Organspenden um knapp 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr — wichtige Signale, aber nach Ansicht der ÄKWL noch keine grundlegende Trendwende. Die Lücke zwischen dem Bedarf an Spenderorganen und den tatsächlich verfügbaren Organen bleibt groß.

Ein zentraler Grund dafür ist aus Sicht der Ärztekammer, dass viele Menschen ihre Entscheidung zur Organspende nicht dokumentiert haben. Angehörige müssen dann in einer emotional extrem belastenden Situation stellvertretend entscheiden. „Es hilft sehr, wenn Menschen ihren Willen festhalten — mit einem Organspendeausweis oder durch einen Eintrag im Organspende-Register“, betonen Gehle und Windhorst. „Damit wird den Angehörigen in einer Ausnahmesituation eine schwere Entscheidung abgenommen.“

Aufklärung, Information und das bundesweite Organspende-Register seien wichtige Schritte. Sie reichten jedoch allein nicht aus, um die Zahl der Organspenden nachhaltig zu erhöhen. „Positive Haltung allein rettet keine Leben, wenn sie nicht dokumentiert ist“, so Gehle und Windhorst. „Deshalb brauchen wir mehr als Appelle.“

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe spricht sich klar für die Widerspruchslösung aus. Danach gilt grundsätzlich jede und jeder als spendebereit, sofern dem nicht ausdrücklich widersprochen wurde. „Das ist keine Entmündigung, sondern eine klare und gerechte Regelung“, erklären Gehle und Windhorst. „Sie legt die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört: zu uns selbst — zu Lebzeiten.“

Zugleich sollten weitere pragmatische Verbesserungen genutzt werden. Dazu zählt auch die geplante Ausweitung der Lebendorganspende, etwa durch sogenannte Über-Kreuz-Spenden zwischen zwei nicht passenden Paaren. Solche Ansätze könnten Wartenden konkrete Hoffnung geben und Leid lindern. Sie seien jedoch nur ein Baustein.

„Unser Standpunkt ist klar: Aufklärung, Register und bessere Abläufe sind nötig. Doch ohne Widerspruchslösung bleiben wir im Weiter so stecken, während Menschen auf der Warteliste wertvolle Zeit verlieren“, betonen Dr. Hans-Albert Gehle und Prof. Dr. Theodor Windhorst. „Organspende ist ein Zeichen gelebter Solidarität. Jetzt ist die Zeit, daraus auch ein wirksames System zu machen.“

Pressemeldung: Ärztekammer Westfalen-Lippe

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