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Ernährungswende im Kreis Lippe: Akteure müssen stärker zusammenarbeiten

von | März 23, 2025 | Kunterbunt

Die Referierenden des „REGIOtalks“ (v.l.n.r.): Katrin Kunze und Sabine Ulbrich, Haltestulle eG, Bielefeld; Prof. Dr. Susanne Struck, TH OWL – Life Science Technologie; Sonja Retzlaff, Crowd & Rüben Steinhagen; Norbert Reichl, Food Processing Initiative e.V.; Brigitte Hilcher, Regionalbewegung NRW e.V. und Dorothea Streich, Koordination Regionale Vermarktung, Kreis Lippe. Foto (Copyright: Regionalbewegung NRW e.V.)

Beim ersten „REGIOtalk“ in OWL haben die Teilnehmer überlegt, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft regionale Produkte verfügbarer machen, nachhaltige Wertschöpfungsketten entwickeln und neue Verarbeitungskonzepte umsetzen können. Neue Lebensmittel aus Nebenprodukten, Mitmachhöfe oder gemeinschaftsgetragene Läden. Die Liste für neue Ideen und für das Ausbauen bestehender Angebote ist lang – entwickelt von Vertretern aus der Wirtschaftsförderung, der Ernährungs- und der Landwirtschaft. Ziel ist, die Ernährungswirtschaft im Kreis Lippe regional, zukunftsfähig und gemeinschaftlich auszurichten.

„Ins Rollen gebracht hat das Thema die Regionalbewegung NRW, welche die Regionalvermarktung in ganz NRW stärken möchte. Wir sind stolz darauf, dass der erste ‚REGIOtalk‘ in OWL jetzt in Lippe stattgefunden hat“, sagt Dorothea Streich, Koordinatorin für Regionale Vermarktung beim Kreis Lippe. „Er soll sich nun als regelmäßiges Format im Kreis etablieren. So können wir effiziente Strukturen aufbauen, um die entwickelten Ideen umzusetzen. Ich freue mich, dass wir in der ersten Runde direkt so viele konkrete Ansatzpunkte entwickelt haben“, ergänzt sie. Bei der Weiterverwertung von Nebenprodukten können beispielsweise wertvolle neue Lebensmittel entstehen. Aus Beerentrester – also Pressrückständen aus der Saftproduktion – oder Sonnenblumenpresskuchen können Sonnenblumenmehl oder Ballaststoffe für Riegel entstehen. Hier gilt es nun, Strukturen für eine Vermarktung in Lippe aufzubauen.

Eine weitere Idee sind Mitmachhöfe und gemeinschaftsgetragene Läden. Sie können eine Brücke zwischen Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz, Bildung und Gemeinschaft schlagen. „Viele Menschen möchten sich aktiv für nachhaltige Ernährung engagieren, wissen aber nicht, wie. Mitmachhöfe bieten ihnen die Möglichkeit, sich direkt an der landwirtschaftlichen Produktion zu beteiligen, Wissen zu teilen und regionale Wertschöpfung zu unterstützen“, sagte Sonja Retzlaff von Crowd & Rüben Steinhagen beim „REGIOtalk“. Im Kreis Lippe gibt es ebenfalls mehrere Mitmachhöfe und Solidarische Landwirtschaftsmodelle, die direkte Beteiligung ermöglichen, darunter die Solawi Dalborn in Blomberg-Dalborn, die Solidarische Landwirtschaft Ackervielfalt eG in Lage, der Dorfacker e.V. in Kalletal und die Solawi am Strothebach in Schlangen.

Neben der direkten Beteiligung an der Landwirtschaft ist auch die regionale Vermarktung ein zentraler Hebel für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft. Hier setzen gemeinschaftsgetragene Läden, wie die „Marktschwärmereien“ an, die regionale Erzeugerinnen und Erzeuger direkt mit Verbraucherinnen und Verbrauchern verbindet. Michelle Fischer betreibt eine „Marktschwärmerei“ in Kalletal und war beim „REGIOtalk“ vor Ort: „Ich habe viele wertvolle Anregungen mitgenommen – vor allem zur besseren Vernetzung von Erzeugerinnen und Erzeugern und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Es gibt hier in Lippe eine starke Nachfrage nach regionalen Produkten, aber wir müssen die Strukturen weiterentwickeln, damit die Menschen sie auch einfach beziehen können“, sagt sie.

Diese erforderlichen Strukturen in der lippischen Ernährungswirtschaft stehen vor Herausforderungen, wie Preissteigerungen, fragilen Lieferketten, neuen gesetzlichen Vorgaben und dem Fachkräftemangel: „Wir befinden uns in einer Stapel-Krise: Unternehmen müssen effizienter und nachhaltiger werden, doch ohne Wissenstransfer und gezielte Unterstützung bleibt das für viele unmöglich. Wir brauchen eine stärkere Vernetzung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Förderstrukturen, um die Transformation aktiv zu gestalten“, sagte Norbert Reichl, Food-Processing Initiative e.V. beim „REGIOtalk“. Diesen Herausforderungen stellen sich die Akteure nun, um die Ideen und schon Bestehendes weiterzuentwickeln, damit sie die Ernährungswende im Kreis Lippe voranbringen und den Lippern viele regionale Angebote machen können. Für weitere Informationen oder zur Mitgestaltung steht Dorothea Streich, unter d.streich@kreis-lippe.de zur Verfügung.

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