
Das Schwalben- und Fledermaushaus in Veldrom bietet den Tieren einen Unterschlupf und einen sicheren Platz für ihren Nachwuchs. (© Kreis Lippe)
Wer in den vergangenen Tagen den Himmel über Veldrom im Blick hatte, hat sie bereits entdecken: Die Mehlschwalben sind aus dem Süden zurückgekehrt und suchen nun nach geeigneten Plätzen für den Nestbau. Dabei unterstützt sie neuerdings ein Schwalbenhaus mit 42 Nistmöglichkeiten. Doch nicht nur Mehlschwalben, sondern auch Fledermäuse finden in dem ausgebauten Innenraum des Daches einen Unterschlupf sowie Platz, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.
„Die Anzahl an Mehlschwalben ist seit Jahren rückläufig, da es weniger Insekten gibt und Menschen ihre Nester zerstören, welche vor allem an Hauswänden gebaut werden“, erklärt Yasmin Günterberg vom Projekt „Grüne Infrastruktur“ des Kreises Lippe. Schwalben sind Kulturfolger, das bedeutet, dass sie eng mit menschlichen Strukturen zusammenleben und auf diese angewiesen sind. Da die Tiere an modernen, glatten Fassaden immer seltener Halt für ihre Lehmnester finden, bietet das Schwalbenhaus eine sichere Alternative ohne Konflikte mit Hausbesitzern. Das Herzstück des neuen Turms bilden die 42 vorgefertigte Nisthilfen, die speziell auf die Bedürfnisse der Vögel zugeschnitten sind.
Mehlschwalben sind mittlerweile so stark reduziert, dass sie vom Rote Liste Zentrum als gefährdet eingestuft werden. Daher ist es wichtig bestehende Populationen zu stärken und zu unterstützen. In Veldrom gibt es ein großes Vorkommen der Tiere.
Um die Brutmöglichkeiten zu erhöhen, hat das Projekt „Grüne Infrastruktur in ländlichen Regionen“ des Kreises Lippe in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Feldrom/Veldrom/Kempen und der Stadt Horn Bad-Meinberg das Schwalbenhaus errichtet. Doch das Projekt geht noch einen Schritt weiter: Auch Fledermäuse finden in der aufgestellten Konstruktion ihren Platz. Der großzügig ausgebaute Dachinnenraum bietet Fledermausarten die Spalten und Höhlen bewohnen ideale Rückzugsorte und Quartiere.
Die Maßnahme ist eingebettet in das Projekt „Grüne Infrastruktur“, welches das Ziel verfolgt den Biotopverbund, die historische Kulturlandschaft und die Erholung zu stärken. „Wir wollen die biologische Vielfalt direkt vor unserer Haustür fördern“, sagt Yasmin Günterberg. Schwalben und Fledermäuse gelten als wichtige Indikatoren für ein intaktes Ökosystem und sind zudem nützliche Nachbarn, die Mücken und andere Insekten vertilgen. Wer selbst Schwalben unterstützen möchte, kann im eigenen Garten auf Pestizide verzichten und auf eine insektenfreundliche Bepflanzung achten. Auch eine Lehmpfütze kann die Tiere beim Nestbau unterstützen.
Hintergrund
Der Kreis Lippe setzt in sieben Schwerpunkträumen Maßnahmen um, die den Biotopverbund, die Erholung des Menschen und den Erhalt der historischen Kulturlandschaft stärken sollen. Das Projekt „Grüne Infrastruktur“ ist ein sogenanntes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E-Vorhaben) und läuft noch bis 2028. Es wird u.a. vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. Das Gesamtvolumen beträgt 4,6 Millionen Euro, wobei 70 Prozent der Kosten vom Bund finanziert werden. Die Restfinanzierung wird vom Land NRW und dem Kreis Lippe übernommen.
Der Kreis Lippe (Fachgebiet Landschaft und Naturhaushalt) arbeitet eng mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe / TH OWL (Arbeitsschwerpunkt Erholung) zusammen. Weitere Projektpartner sind die Hochschule Osnabrück (Arbeitsschwerpunkt Biotopverbund) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Arbeitsschwerpunkt Kulturlandschaft).














