
Besser ist es, zusammen zu reden, damit die Wirtschaft auch Gehör findet. IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick, Tobias Vietz (Wirtschafsförderer der Stadt Lemgo), Frank Limpke (1. Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Lemgo), Lemgos Bürgermeister Markus Baier, Teil der Brasseler Geschäftsführung Markus Trachternach, Björn Hartmann (Leiter Human Resources, Brasseler), IHK-Hauptgeschäftsführerin Svenja Jochens und Moderator Hinrich Schwarze (IHK Lippe) (v.l.n.r.) beim Kommunalen Wirtschaftsgespräch in Lemgo. Bildquelle: IHK Lippe
Wirtschaft und Verwaltung treffen aufeinander
Zu Gast beim Lemgoer Traditionsunternehmen Gebr. Brasseler, kam beim jüngsten Kommunalen Wirtschaftsgespräch (KWG) der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) die heimische Wirtschaft mit Vertretern der Stadt Lemgo zusammen. Bürgermeister Markus Baier, der 1. Beigeordnete und Kämmerer Frank Limpke sowie Wirtschaftsförderer Tobias Vietz diskutierten gemeinsam mit Björn Hartmann und Markus Trachternach (beide Gebr. Brasseler) sowie IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten am Standort Lemgo.
IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick machte zu Beginn deutlich, worum es bei den KWGs im Kern geht: „Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich vor Ort engagieren, sonst funktioniert Standortentwicklung nicht. Die KWGs sind dafür die perfekte Plattform – hier bekommt die Wirtschaft direkt Gehör bei der Kommunalpolitik und der Verwaltung und gemeinsam lassen sich Herausforderungen und Lösungswege besprechen.“ Als Gastgeber machte Brasseler-Geschäftsführer Markus Trachternach deutlich, wie eng das Unternehmen mit Lemgo verbunden ist: „Wir produzieren seit Generationen an diesem Standort und verstehen uns als familiengeführter Hidden Champion.
Mit rund 1.200 Arbeitsplätzen allein hier in Lemgo ist es uns wichtig, in der Stadt sichtbar zu sein und uns aktiv einzubringen.“ Bürgermeister Markus Baier zeichnete ein grundsätzlich robustes, aber nicht unbeeindrucktes Bild der Stadt: Lemgo stehe im regionalen Vergleich finanziell und wirtschaftlich noch vergleichsweise gut da, wenngleich die Rahmenbedingungen die Dynamik haben abflachen lassen. Gleichzeitig kämen die Ausschläge der wirtschaftlichen Krisenlage auch in Lemgo an, weshalb die Stadt ihre Ausgaben im Blick behalten müsse. „Stadt bedeutet für uns regionale Identität“, brachte Baier die Bedeutung eines lebendigen Lemgos für die Lebensqualität der Menschen auf den Punkt.
Vielfalt an Themenfeldern im Austausch mit der Unternehmerschaft
Im Bereich Infrastruktur wurde deutlich, dass die Stadt beim ÖPNV ein vergleichsweise gutes Angebot sieht, ohne einen größeren Ausbau versprechen zu können. Das kostenlose Schülerticket bleibt für drei weitere Jahre bestehen, für Randzeiten und Randlagen arbeite man an einem Bürgerbus-Konzept. Beim Zugverkehr wünschen sich Wirtschaft und Stadt gleichermaßen einen verlässlichen 30-Minuten-Takt Richtung Bielefeld. Das Planfeststellungsverfahren für die Lemgoer Nordumgehung – seit rund 40 Jahren Thema – soll Ende 2027 abgeschlossen sein.
Aus der Unternehmerschaft kam zudem deutliche Kritik an der für Lkw ab 7,5 Tonnen gesperrten Bega-Brücke in Lieme, die sich schon seit Jahren in schlechtem Zustand befindet; die Stadt hat das Thema im Austausch mit Straßen.NRW hoch priorisiert. Beim Thema Energie bekräftigte die Lemgoer Verwaltungsspitze ihr Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, gestützt auf innovative und zugleich wirtschaftliche Projekte der Stadtwerke Lemgo wie Großwärmetauschern, Wärmespeicher, Biomassekraftwerk, Fernwärmeausbau oder Windkraft.
Im Themenfeld Fachkräfte stellte Wirtschaftsförderer Tobias Vietz die Vernetzungsangebote der Stadt vor: vom neuen „I.S.A.“ des Kreises Lippe für Integrationsfragen über Sprachangebote und das Mehrgenerationenhaus bis zum Unternehmensnetzwerk im Gewerbegebiet Lemgo West, das gezielt an Themen wie der Fachkräftegewinnung arbeitet. Bei der Innenstadtentwicklung zeigte sich die Stadt zufrieden mit der Reduzierung von Leerständen, unter anderem dank neuem Einzelhandelskonzept, Umbauförderung und -beratung, Innenstadtveranstaltungen und PopUp-Stores. Der Wandel hin zu einem Mix aus Wohnen, Handel und Gastronomie werde weitergehen.
Für Aufmerksamkeit sorgte das Klimafolgenanpassungskonzepts zum Schutz der Innenstadt vor Hitze und Starkregen sowie das bis Ende 2027 laufende Mietreduzierungsprogramm für Neuansiedlungen. Ausdrückliches Lob aus der Runde gab es für die Renaturierung des Bega-Flussbetts mit der Aktivierung für die Menschen im Innenstadtbereich. Kämmerer Frank Limpke hofft für 2027 auf eine stabilere Gewerbesteuer als in 2026, beim Bürokratieabbau verwiesen Baier, Limpke und Vietz auf rund 60 Verwaltungsprozesse, die sich aktuell in der Digitalisierung befinden sowie auf den weiteren Ausbau der Lemgo-App.
Kontinuität eines etablierten Dialogformats
Zum Abschluss ordnete Moderator Hinrich Schwarze (IHK Lippe) den Abend in die Tradition des Formats ein: „Lemgo zeigt an diesem Abend, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und kommunales Engagement zusammenhängen. Genau das ist der Kern der KWGs, die wir als lippische Kammer seit 2009 in allen 16 lippischen Kommunen anbieten: den direkten, konkreten Austausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung zu ermöglichen, damit aus Themen auch Lösungen werden.“
Pressemeldung: IHK














