Rollende Waldschule begeistert 1.650 Kinder
Jahreshauptversammlung in Großenmarpe: Vorsitzender Benjamin Schikowski berichtet über ein erfolgreiches Jahr – Landrat Meinolf Haase würdigt das Engagement der rund 2.100 Mitglieder – Fachvortrag des Wesermarsch-Berufsjägers Dennis Klintworth zum Prädatorenmanagement fachlicher Höhepunkt
Bei ihrer Jahreshauptversammlung am Sonntag, den 17. Mai 2026 in Großenmarpe, hat die Kreisjägerschaft Lippe e. V. eine durchweg positive Bilanz des vergangenen Jahres gezogen. Mit knapp 180 Teilnehmenden war die Versammlung so gut besucht wie seit langem nicht mehr. Im Mittelpunkt standen die erfolgreiche Bildungsarbeit im Rahmen von „Lernort Natur“, der Einsatz für Wild und Lebensraum sowie aktuelle politische Themen rund um Wolf, Afrikanische Schweinepest und Bürokratie.
Grußwort des Landrats
Zum Auftakt würdigte Landrat Meinolf Haase die vielfältige Arbeit der lippischen Jägerinnen und Jäger. Besonders hob Haase die Kitzrettung mit Drohnentechnik, den Einsatz bei Wildunfällen, die ASP-Prävention und die Bildungsarbeit des „Lernort Natur“ hervor. Mit rund 2.100 Mitgliedern sei die Kreisjägerschaft „eine starke Stimme im ländlichen Raum“. Mit Blick auf den Klimawandel sprach der Landrat den Waldumbau zu klimaresilienten Mischwäldern als „Jahrhundertaufgabe“ an, die nur in partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Forst- und Landwirtschaft sowie Jägerschaft gelingen könne.
Bericht des Vorsitzenden
In seinem Jahresbericht nannte Vorsitzender Benjamin Schikowski mehrere Schwerpunkte. Im Mittelpunkt stand das Projekt „Lernort Natur“: Die Rollende Waldschule der Kreisjägerschaft erreichte im vergangenen Jahr rund 1.650 Viertklässlerinnen und Viertklässler lippischer Grundschulen bei den Waldjugendspielen im Teutoburger Wald. Besonderer Dank galt dabei dem zuständigen Obmann Jan Husemann. Darüber hinaus haben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Kreisjägerschaft in Kooperation mit dem Verein „Save the Kitz“ in der Mahdsaison 2025 über 1.000 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet — ein neuer Rekord mit 24 Prozent mehr abgeflogener Fläche.
Inhaltlich ging Schikowski auf die politischen Themen Wolf, Afrikanische Schweinepest (ASP) und Bürokratie ein. Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz sei ein „wichtiger Schritt“: „Es geht nicht darum, ob der Wolf in unsere Landschaft gehört – er ist schon längst da. Es geht darum, wie wir mit dieser Realität umgehen.“ Zur wachsenden Bürokratie im Waffenrecht mahnte er: „Der rechtstreue Jäger darf nicht unter Generalverdacht gestellt werden.“
Ehrungen langjähriger Mitglieder
Geehrt wurden langjährige Mitglieder mit der Treuenadel des Deutschen Jagdverbandes: Für 25- jährige Mitgliedschaft Christian Weigert (Hegering Mosebeck), Herbert Strunk (Bad Salzuflen) und Klaudia Hugenberg (Extertal), für 40 Jahre Andreas Runte (Mörth-Niesethal). Die Ehrenurkunde für 65-jährige Mitgliedschaft ging an Udo Schirneker-Reineke (Vierenberg, in Abwesenheit überreicht).
Streckenbericht des Kreisjagdberaters
Kreisjagdberater Hermann Kaiser stellte die Streckenliste des Jagdjahres 2024/25 vor. Bemerkenswert: Der Waschbär hat das Rehwild als häufigstes Jagdwild im Kreis Lippe inzwischen abgelöst — und ein Ende der Steigerungsraten ist nicht absehbar. Diese Entwicklung hat erhebliche Folgen für die heimische Tierwelt, insbesondere für die gesamte Vogelwelt. Welche konkreten Auswirkungen das hat und welche Gegenmaßnahmen möglich sind, zeigte unmittelbar im Anschluss der Fachvortrag von Dennis Klintworth.
Fachvortrag zum Prädatorenmanagement
Den fachlichen Höhepunkt bildete der Vortrag des Berufsjägers Dennis Klintworth aus der Kreisjägerschaft Wesermarsch zum Thema Prädatorenmanagement. Anhand eines langjährigen Pilotprojekts aus dem Landkreis Oldenburg zeigte er auf, welche positiven Effekte eine konsequente Raubwildbejagung auf die Niederwildbesätze hat — insbesondere auf Rebhühner und Kiebitze, deren Bestände sich dort eindrucksvoll erholt haben.
Bericht des Schatzmeisters
Schatzmeister Elmar Reuter präsentierte den Kassenbericht. Nach zwei wirtschaftlich schwierigen Jahren befindet sich die Kreisjägerschaft wieder auf einem stabilen finanziellen Fundament. Einstimmige Wiederwahl von Jan Husemann Jan Husemann wurde von der Versammlung einstimmig als Obmann für den „Lernort Natur“ wiedergewählt. Unter seiner Federführung hat sich die Rollende Waldschule der Kreisjägerschaft zu einem festen Erfolgsmodell der lippischen Bildungsarbeit entwickelt — das einstimmige Votum würdigt sein langjähriges Engagement und das hohe Vertrauen, das ihm die Mitglieder entgegenbringen.
Ausblick auf den Landesjägertag
Zum Abschluss wies der Vorstand auf den Landesjägertag am 13. Juni 2026 in Salzkotten hin und rief zur zahlreichen Teilnahme der lippischen Jägerschaft auf. Das Jagdhornbläserkorps Detmold-Lage unter der Leitung von Sabine Beck rahmte die Versammlung musikalisch.
Pressemeldung und Foto: Kreisjägerschaft Lippe
















