
Setzt mit dem Eigenbetrieb Straßen ab sofort das neue Unterhaltungskonzept um: Thomas Hilker an der SchiederSee-Umflut.
Am Nordufer des SchiederSees wird es grüner. Der Eigenbetrieb Straßen setzt ab sofort auf ein neues Konzept, das mehr natürliche Entwicklung vorsieht. Ausschlaggebend für die Anpassung ist die Ansiedlung des Bibers im Umfeld des Gewässers. „Wir standen vor der Herausforderung, den Artenschutz mit den notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen an der Umflut zu verbinden. Das bedeutet, dass Pflegearbeiten reduziert bzw. in Teilbereichen komplett ausgesetzt werden müssen“, erklärt Thomas Hilker, Leiter des Eigenbetriebs Straßen.
Die letzten großen Pflegemaßnahmen führte der Eigenbetrieb 2020 durch. Dabei wurden Gehölze in der Sohle und den Böschungsbereichen großflächig zurückgeschnitten, um die Abflussleistung der Umflut zu erhalten. Parallel dazu gab es den ersten Nachweis des Bibers. Daraufhin wurden die Rückschnittarbeiten gestoppt. Es folgten diverse Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit der Umflut und Absprachen mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Biologischen Station Lippe. „Anhand objektiver Daten wissen wir nun, dass die eingeschränkten Unterhaltungsmöglichkeiten keine negativen Folgen für die Hochwassersicherheit haben. Zudem hat sich gezeigt, dass die Sedimenteinträge in den See – die zu einer Verlandung führen können – deutlich unter den erwarteten Werten liegen“, so Hilker. Entsprechend der gesammelten Informationen entstand das nun vorliegende Unterhaltungskonzept.
Im Wesentlichen sieht das Konzept zwei Zonen am Nordufer vor. Im Nordosten soll sich ein Auwald entwickelt. Im Nordwesten wird ein Beobachtungsbereich eingerichtet, in dem Veränderungen im Abfluss frühzeitig erfasst werden. In beiden Bereichen wird es Sichtschneisen geben – insgesamt neun Stück. Diese werden vom Eigenbetrieb Straßen mittels eines regelmäßigen Rückschnitts offen gehalten, weitere Maßnahmen sind nicht vorgesehen. „Mit den Sichtschneisen würdigen wir den touristischen Wert des SchiederSees. Aus ökologischen, artenschutzrechtlichen oder hydraulischen Gründen wären sie nicht notwendig gewesen“, sagt Hilker. Daniel Telaar, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, ergänzt: „Am Lippesee wird ein ähnliches Konzept angewandt. Es zeigt, dass der Biber mit den kleinteiligen Eingriffen sehr gut zurecht kommt und nicht in seinem Lebensraum beeinträchtigt wird. Zudem begrüßen wir die nahezu ungestörte Auenentwicklung. Solche wertvollen Landschaften sind inzwischen selten.“
Um die Entwicklung des SchiederSees und der Umflut langfristig zu dokumentieren, wird zudem künftig im Abstand von zehn Jahren eine Echolotuntersuchung durchgeführt. Sie liefert Daten zu den Sedimenteinträgen. Das neue Unterhaltungskonzept wurde im Betriebsausschuss des Kreises im Juni verabschiedet.
Hintergrund SchiederSee-Umflut
Die Umflut des SchiederSee wurde 2015 in Betrieb genommen. Ziele der Maßnahme waren u.a. die Herstellung eines guten ökologischen Zustands und die Schaffung der Durchgängigkeit der Emmer. Zudem sollte die Wasserqualität des SchiederSees verbessert und der Sedimenteintrag deutlich verringert werden, damit künftig kostenintensive Entschlammungsmaßnahmen wegfallen. Der EB Straßen ist seit 2017 für den SchiederSee verantwortlich.
Hintergrund Biber
Der Biber steht unter strengem Artenschutz und zählt in NRW zu den sog. planungsrelevanten Arten. Das bedeutet, dass ein individuelles Tötungsverbot gilt. Ebenso ist es verboten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie essentielle Nahrungshabitate zu zerstören. Die Anwesenheit von Bibern ist daher bei allen Unterhaltungsmaßnahmen im Bereich der SchiederSee-Umflut zu berücksichtigen.














