
Blick in die Waldgesellschaft am Bärenstein. Foto: Biologische Station Lippe
Bereits im Winter 2024/2025 hat das Projekt „Grüne Infrastruktur in ländlichen Regionen“ mit der Pflege der Lippischen Bergheiden begonnen. Gemeinsam mit dem Landesverband Lippe, der Biologischen Station Lippe und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Lippe wurde der offene Lebensraum – die Bergheide – von Gehölzen und Störarten befreit und die Heidekräuter wurden verjüngt. Nun führen die drei Partner die Pflege und Erhaltung des selten gewordenen Lebensraums am Bärenstein fort. Die Maßnahmen starten voraussichtlich zu Beginn nächster Woche.
„Der Bärenstein nahe der Externsteine ist eine der wenigen, erhaltenen Bergheiden, die noch viele Wacholder beherbergt“, sagt Luisa Glocker von der Biologischen Station Lippe. Wacholder sind typische Weidezeiger und deuten somit auf die historische Nutzung des Waldes hin. „Als Weidezeiger werden die Arten bezeichnet, die vom Vieh verschmäht werden, z. B. weil die Pflanzen giftig sind oder Stacheln haben“, erläutert Glocker. Wacholder und andere typische Heidesträucher wie z. B. die Besenheide oder die Blaubeere benötigen wenig Nährstoffe, saure Bodenbedingungen, Licht und kommen auch mit wenig Niederschlag bzw. verfügbarem Wasser zurecht. Das macht sie und ihren Lebensraum Bergheide so wertvoll.
Die Heide auf dem Bärenstein benötigt viel Aufmerksamkeit, weil in den letzten Jahren eine gezielte Pflege ausgeblieben war. Daher planen die drei Partner, die schattenwerfenden Gehölze und das liegende Totholz zu entfernen. „Störarten wie der Adlerfarn, der nicht nur die Blaubeeren verschattet, sondern auch ein Lichtkonkurrent für den Wacholder ist, werden eingedämmt und die Heide-sträucher in Abschnitten verjüngt“, kündigt Glocker an. Denn Blaubeeren und Besenheide benötigen bei fehlender Beweidung eine regelmäßige, mechanische Pflege. „Damit wird ein historisches Landschaftsbild wenigstens in Teilen wiederhergestellt.“ Denn früher wurde das Weidevieh auf den Bärenstein getrieben, das Holz vielfältig genutzt und das Laub als Einstreu in den Ställen verwendet. Diese Nutzungsformen sorgten für einen offenen, lichten Wald, der sich langsam zu einer Heide entwickelt hat.
„Die Heide wird für Besucherinnen und Besucher künftig wieder besser erlebbar gemacht“, sagt Daniel Telaar von der Unteren Naturschutzbehörde. „So soll vor Sitzbänken die Aussicht freigestellt werden. Das veränderte Gesamtbild der Heideflächen, geprägt von zartem Grün und offeneren Sichtachsen, wird sich bereits im Frühjahr zeigen.“ Um nicht nur punktuell die Heidefläche, sondern auch weitere, wertvolle Lebensräume in der Um-gebung zu fördern, entnimmt der Landesverband aus dem alten Eichenbestand gezielt Rotbuchen und Fichten. „Ähnlich wie der Wacholder, ist auch die Eiche ein lichtbedürftiges Gehölz. Wird sie von den benachbarten Buchen zu sehr bedrängt und verschattet, stirbt die Eiche ab. Um den Lebensverlauf der knorrigen Eichen zu verlängern, ist es daher nötig, Platz im Umfeld zu schaffen“, erklärt Jens Tegtmeier, Leiter des Forstreviers Nassesand.
Die alten Eichen dienen vielen Kleinstlebewesen und Insekten als Unterschlupf, Nahrungsgrund und Nistmöglichkeit. So auch dem sehr selten gewordenen Eremiten. Dieser Käfer ist auf alte, freistehende Eichen angewiesen: Er lebt zurückgezogen im Mull absterbender Altbäume, wo er sich über mehrere Jahre entwickelt. „Im Kreis Lippe tragen wir hier eine besondere Verantwortung, diese Art zu schützen, da es in Nordrhein-Westfalen nur noch acht bekannte Vorkommen gibt“, macht Tegtmeier deutlich. In den nächsten Jahren will der Landesverband deshalb immer mal wieder Waldabschnitte durcharbeiten und gezielt Gehölze entnehmen.
Pressemitteilung des Kreises Lippe, der Biologischen Station Lippe sowie des Landesverbandes Lippe
















