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Wenn seelische Verletzungen sichtbar würden

von | Aug. 3, 2026 | Blomberg, Kunterbunt

Warum wir psychische Wunden oft erst erkennen, wenn sie schon lange bestehen

Es gibt Verletzungen, die jeder sofort sieht. Ein gebrochener Arm bekommt einen Gips, eine Wunde wird versorgt und die Menschen fragen: „Wie geht es Ihnen?“ Seelische Verletzungen bleiben dagegen häufig unsichtbar. Menschen gehen arbeiten, erledigen ihren Alltag, kümmern sich um ihre Familie und lächeln nach außen. Gleichzeitig kämpfen sie innerlich mit Selbstzweifeln, Erschöpfung oder dem Gefühl, sich selbst verloren zu haben.

In meiner Praxis begegne ich immer wieder Menschen, die sagen: „Eigentlich müsste es mir doch längst besser gehen.“ Viele machen sich Vorwürfe, weil sie glauben, nicht stark genug zu sein. Dabei sind ihre Reaktionen häufig verständliche Folgen belastender Erfahrungen. Psychische Gesundheit bedeutet nicht, immer belastbar oder glücklich zu sein. Sie beginnt dort, wo wir unsere eigenen Gefühle ernst nehmen dürfen.

Wo wir erkennen, dass es in Ordnung ist, Hilfe anzunehmen, bevor aus einer seelischen Belastung eine dauerhafte Krise wird. Gerade in einer Zeit, in der unser Alltag immer schneller wird, geraten Achtsamkeit, Erholung und echte Begegnungen oft in den Hintergrund. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen Menschen offen über ihre Sorgen sprechen können, ohne Angst vor Bewertungen oder Vorurteilen.

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie erlebe ich täglich, wie entlastend es für Betroffene sein kann, wenn ihre Geschichte gehört wird. Oft beginnt Veränderung nicht mit einer schnellen Lösung, sondern mit einem Gespräch, in dem jemand aufmerksam zuhört und gemeinsam mit dem Gegenüber neue Perspektiven entwickelt. Psychische Gesundheit geht uns alle an. Sie betrifft nicht nur Menschen in akuten Krisen, sondern jeden von uns. Vielleicht besteht der wichtigste Schritt darin, seelische Verletzungen genauso ernst zu nehmen wie körperliche, mit Verständnis, Geduld und der Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, wenn sie gebraucht wird.

Die zunehmende Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit zeigt, wie groß der Bedarf an Aufklärung und Verständnis ist. Gerade Menschen, die über längere Zeit unter emotional belastenden Beziehungen gelitten haben, benötigen häufig nicht nur Unterstützung, sondern auch das Wissen, dass ihre Reaktionen nachvollziehbar sind. Mit diesem Anliegen habe ich auch mein erstes Fachbuch „Ich sehe dich nicht – Narzissten erkennen, verstehen und sich befreien“ geschrieben, das 2026 im Springer Nature-Verlag erschienen ist.

Darin steht nicht die Persönlichkeit des anderen Menschen im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche seelischen Folgen chronische emotionale Verletzungen hinterlassen und wie Betroffene Schritt für Schritt wieder Vertrauen in sich selbst entwickeln können.

Andrea Lange-Weihs ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin sowie Kunst- und Schreibtherapeutin mit eigener Praxis in Blomberg. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Traumafolgen narzisstisch geprägter Beziehungen, Bindungsverletzungen und der Förderung von Selbstwert und psychischer Stabilität. Weitere Informationen: www.andrea-lange-weihs.de

Pressemeldung und Foto: Andrea Lange-Weihs, Heilpraktikerin für Psychotherapie

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