
Bild von Stefan Bernsmann auf Pixabay
In den vergangenen Jahren ist es im Kreis Lippe immer wieder zu größeren Starkregen- und Hochwasserereignissen gekommen. Die Folgen für die Betroffenen und die Umwelt sind tiefgreifend. Olrik Meyer, Fachbereichsleiter Umwelt beim Kreis Lippe, gibt einen Überblick, wie sich Bürger proaktiv informieren können, wo Wasserschäden entstehen und was es allgemein zu beachten gibt.
Wann spricht man überhaupt von Hochwasser und Starkregen?
Bei Fließgewässern spricht man von Hochwasser, wenn der Wasserstand für längere Zeit den normalen Pegel deutlich übersteigt. Statistisch gesehen, stellen nur ganz seltene Hochwässer eine Gefahr für Menschen oder Tiere dar. Starkregen liegt vor, wenn innerhalb einer kurzen Zeitspanne eine große Niederschlagsmenge fällt. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkniederschlägen bei Regenmengen ab 15 bis 25 l/m² innerhalb einer Stunde oder 20 bis 35 l/m² innerhalb von sechs Stunden.
Gibt es bestimmte Monate, in denen solche Ereignisse gehäuft vorkommen?
Erfahrungsgemäß ereignen sich die größten Starkregen- und Hochwasserereignisse in den Monaten Mai bis August.
Wo bekomme ich Informationen, ob mein Grundstück von Hochwasser oder Starkregen betroffen ist?
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von digitalen Angeboten, um sich zu informieren. Zum Beispiel stellt das Land NRW unter www.hochwasser-app.nrw eine Plattform bereit, auf der jeder prüfen kann, ob sein Haus oder Grundstück durch Starkregen oder Hochwasser betroffen sein kann. Die Seite erstellt eine ausführliche Bewertung des jeweiligen Grundstücks und gibt weitere Informationen zu möglichen Gefahren.
Zudem lassen sich mit den Hochwassergefahrenkarten des Landes NRW drei unterschiedliche Hochwasserszenarien durchspielen: häufige (10 – 20-jährlich), mittlere (100-jährlich) und niedrige (i. d. R. 1.000-jährlich) Wahrscheinlichkeitsszenarien. Die Karten können u. a. auf dem Informationsportal des Umweltministeriums unter www.elwasweb.nrw.de eingesehen werden. Die Karten gibt es ebenfalls für Starkregenereignisse vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG). Hier kann man zwei Szenarien und deren Auswirkungen betrachten: www.geoportal.de/Info/tk_04-starkregengefahrenhinweise-nrw
Gibt es auch Möglichkeiten in Lippe, sich abseits vom Internet zu informieren?
Einzelne Kommunen im Kreis Lippe haben regionale Starkregenkonzepte erstellt, die auch konkrete Maßnahmen zum Überflutungsschutz berücksichtigen. Außerdem sind die Tiefbauämter der Städte und Gemeinden kompetente Ansprechpartner.
Gibt es Grundstückslagen, die besonders gefährdet sind?
Allgemein kann es jeden treffen, wenn die Kanalisation, Gräben oder sonstige Entwässerungseinrichtungen gefüllt sind und das Wasser nicht mehr ableiten.
Es gibt aber natürlich besonders stark exponierte Bereiche. Bei Starkregen sind besonders Grundstücke in der Nähe von Fließgewässern betroffen. Gerade kleinere Bäche treten schnell über die Ufer, da sie die Wassermassen nicht verteilen können. Daneben sind vor allem Grundstücke an Geländetiefpunkten gefährdet.
Wie kann ich mich schützen?
Zunächst gilt, sich einen Überblick über die eigenen Betroffenheiten zu verschaffen. Je nach Gefährdungslage können bauliche Maßnahmen Schutz bieten. Gerade bei tieferliegenden Eingängen oder Fenstern ist Handlungsbedarf gegeben. Beispielsweise können Betroffene Kellerfenster und Lichtschächte abmauern, Türen können sie mit Stautafeln sichern. Auch der Einbau von Rückstausicherungen und Pumpen in die private Grundstücksentwässerung sind Optionen. Eine günstigere Variante ist die Vorhaltung von Sandsäcken. Diese schützen im Gegensatz zu baulichen Eingriffen aber weniger zuverlässig. Konkrete Vorschläge zum Schutz von Gebäuden finden sich in der Hochwasserfibel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Wenn es doch zum Ausnahmefall kommt: Wie verhalte ich mich bei einer Überschwemmung?
Ganz wichtig: Die Warnungen vor Hochwasser und Starkregen des Deutschen Wetterdienstes sowie der zuständigen Katastrophenschutzbehörden – bspw. über die Warnapps NINA oder KATWARN – ernstnehmen!
Weiterhin sollte man in erster Linie an sich selbst denken. Dinge können ersetzt werden, das eigene Leben nicht. Daher auf keinen Fall überflutete Räume, insbesondere Kellerräume, betreten, da die Gefahr eines Stromschlages droht oder die Wassermassen einen einschließen können. Auch überflutete Unterführungen oder Straßen sollten nicht betreten oder befahren werden. Hier unterschätzt man oft die Wassertiefe und Strömungsgeschwindigkeit.













